
Eine Fahrt mit DFS "Schönbrunn"
Die DDSG gestatte es Dr. Peter ABT, Gymnasiallehrer aus Zürich (Jahrgang 1941) im Jahr 1981 als Heizer eine Reise mit dem Dampfschiff "Schönbrunn" mitzumachen. Sein Bericht über diese Reise erschien im "Donau- Kurier" Folge 46, im April 1982. Darin beschreibt er die Arbeit des Maschinenpersonals sowie den Alltag auf einem Passagierschiff in anschaulicher Form. So soll dieser Bericht eine längst vergangene Zeit kurz wieder aufleben lassen.
7. Juli Donautaufe
Ein langgehegter Wunschtraum ist Wirklichkeit geworden. Dank dem Entgegenkommen seitens der DDSG, insbesondere von Herrn Direktor DOSCH, der Offiziere der "Schönbrunn", Kapitän Leo TERPETSCHNIG und I. Maschinenbetriebsleiter Rudolf EISL, darf ich auf dem letzten, echten Traditionsdampfer für einige Tage mitfahren. Ich habe beteuert, den ganzen Maschinendienst nach Möglichkeit mitzumachen, ein Wunsch, dem schon am ersten Tag entsprochen wird.
Nach einer Ruhepause und einem herzhaften Abendessen frisch gestärkt, trete ich kurz vor 18.00 Uhr zum zweiten Dienst des Tages an. "Kannst schon Halt machen" meint, verschmitzt lächelnd, Adi GRABENHOFER, der II. MBL, wie wir die Schleuse Ybbs - Persenbeug erreicht haben, und ich drehe das Handrad der Umsteuerung in die Nullstellung zurück. Da erscheint plötzlich Bootsmann Otto SZABO mit einer Kamera, beordert mich mit Handbewegungen in den Kesselraum: für ein Erinnerungsfoto, ruft er hinunter. Gebannt blicke ich zur Linse gegenüber, noch etwas hin und her, bis der Ausschnitt passt, dann folgt des bekannte Klick. In derselben Sekunde aber saust der Inhalt von zwei Eimer echtesten Donauwassers erfrischend auf mich herab. Tropfnass stelle ich fest, dass ich soeben die obligate Taufe eines Donau - Neulings erhalten habe. Die rundum Zuschauenden krümmen sich vor Lachen, die Überraschung ist perfekt. Einige Tage danach fragt mich der Kommandant beiläufig nach meinem zweiten Vornamen. Wie erstaunt bin ich, zum Abschied dann eine prächtige Taufurkunde entgegen zu nehmen mit meinem neuen Namen: "Alexander die Schmiervase".
8. Juli Maschineninspektion
Im gleichmäßigen Takt stampfen die mächtigen Kolbenstangen hin und her, gleiten die Kreuzköpfe über die Lineale, drehen sich die stahlgleißenden Kurbeln. Wachsam steht Rudolf auf seinem Posten, denn wir nähern uns einer Station. Schon fleutet die helle Dampfpfeife und der Maschinentelegraph springt bald auf "halbe Kraft". Fast gleichzeitig wird der große Regulator geschlossen, der Vakuumhebel zurückgenommen und der Maschinentelegraph nachgeführt. Schon folgen die Kommando "langsam" und "sehr langsam", butterweich dreht die Maschine mit einem eigentümlichen Singen und Zischen in den Rohrleitungen. Da klingelt es abermals, deutlich und bestimmt kommandiert Rudolf "Zu -rück". So schnell ich kann, drehe ich das Umsteuerrad nach rechts. Da wir auf der Talfahrt sind, arbeitet die Maschine eine Weile mit voller Kraft rückwärts, bis wir mit sanftem Ruck am Ponton anlegen. Nun ist bloß noch wenig Dampf notwendig, um die Trossen etwas zu entlasten. Offenbar steigen etliche Fahrgäste zu, denn erst nach einigen Minuten erhalten wir den Befehl "volle Kraft zurück", wir hören draußen die Schaufelräder mächtig rauschend arbeiten. Dann nochmals in Windeseile umsteuern, und schon strebt die "Schönbrunn" wieder ein Stück Wien entgegen. Ich greife zur kleinen Topfölkanne, schmiere Kulissen und Gleitbahnen nach, und schon ist es auch schon wieder Zeit für die Radstauffer. Mit beiden Armen mühe ich mich am großen Hebel, meine trainierten Kollegen würden es mit einem allein tun. Bald schon ist Ablösung, da müssen noch die Schmierapparate gefüllt werden. Mit dunkelbraun- dickflüssigem Zylinderöl die einen, mit gelbgrünlich schillerndem Maschinenöl respektive graubläulichem Tropföl je ein anderer. Bei dieser Gelegenheit kurz kurz auf die Ebene des Hauptdeck aufzutauchen, wird man gelegentlich von den Fahrgästen um technische Auskünfte gefragt, Baujahr, Leistung, Wirkungsweise der Maschine oder wie warm es sei im Maschinenraum. Fragt doch einer: "Wie viel Dieselöl braucht dieser Motor?" und ich gleite kopfschüttelnd die schmale Eisentreppe hinunter, nachdem ich den guten Mann über das Vorhandensein einer echten Dampfmaschine aufgeklärt habe.
9. Juli Stehtag
Heute bleiben wir in Wien stehen. Zu sehr frühen Morgenstunde beginnen wir mit den diversen Arbeiten. Otto lässt über die Lautsprecheranlage eine beflügelnde Musik ertönen, so dass Morgenmuffelstimmungen bald verflogen sind. Ich hantiere mit Putzlappen und Sidol, gebe mir Mühe, möglichst viel Kupferleitungen, Messsingleisten und Bronzegegenstände auf Hochglanz zu bringen. Da und dort verdient ein Stahlseil die Behandlung mit Schmirgeltuch. Nebenan hantiert Werner mit einer Spatel, sorgsam modelliert er aus Talg Klötzchen auf den Kurbellagern. Die wohl undankbarste und schwerste Arbeit übernimmt Paule, dick vermummt steigt er in die Kessel. So arbeiten alle gegen Mittag hin, bis Kesselanlage und Maschine innerlich und äußerlich gereinigt und für neue Fahrleistungen bereit gestellt sind. Für den Rest des Tages darf ich Gast der Familie EISL sein. Sylke kocht vorzügliche Schwammerl, wir genießen einen strahlend hochsommerlichen Tag im Strandbad und schließlich bereitet Rudolf vorzüglich gewürzte Karpfenschnitten. Müde und glücklich sinke ich zur vorgerückter Stunde in die Federn.
10. Juli Sommerabend
Die Dienstzeit war kurz; von 12 bis 18 Uhr. Wir haben geduscht und anschließend zu Abend gegessen. Nun sitzen wir, Adi, Rado und ich, ganz hinten auf Achterdeck. Wir plaudern über dies und jenes, Adi schwärmt von "seiner" Steiermark, Rado gibt einige deftige Witze zum besten.
11. Juli Dienstschluss
Gespensterhaft liegen backbord die immensen VÖEST - Anlagen im Dunkel, umhüllt von Dampf und Rauch, nur punktförmig beleuchtet. Wir nähern uns Linz. Zeitig sind wir heute dran, kaum halb zwölf vorbei und Hans, der I. Steuermann, setzt schon zu seinem meisterhaften Rondo an. Der Lichterkranz an der Donaulände dreht sich wie ein Karussell und bald klingelt der Telegraph mehrmals über die ganze Skala. Gerne Quittieren wir dieses Signal für den Feierabend. Jetzt noch den Landanschluss herstellen, mit Dichtung und Zange bewaffnet eile ich nach oben, schließe Wasser und Strom an. Nun die Oberlichter sorgfältig schließen und ja nicht etwa über die Kabelzüge der Dampfpfeife stolpern. Letzte Passagiere streben an Land, ihren Heimen Hotels oder Nachtzügen entgegen. Rado werkt im Kesselraum, zwitschernd und schlürfend jagt der Injektor das Wasser in die Kessel. Sorgfältig dreht der muntere Jugoslawe die mächtigen Ventile zu, derweil ich die Hütchen auf die Schmieröffnungen stecke. Wie wir die Fenster um die Galerie hochziehen, herrscht plötzlich eine gewaltige Hitze. Nun wünscht man sich allseits gute Nacht.
13. Juli Maschine putzen
Ob Sonntag oder Werktag, die treue Originalmaschine der "Schönbrunn" benötigt ihre Pflege. Ich schöpfe des Tropföl aus den Auffangbecken in einen Kessel, noch ungeübt im Gestänge herumturnend. Zum Abwischen der Maschine nimmt man Putzlappen und keine Putzfäden, habe ich mittlerweile gelernt, da sonst eine Schmierstelle verstopft werden könnte. Welch verheerende Folgen hätte ein Heißläufer ! So begriff ich auch, weshalb man im Dienst nicht pfeifen soll. Sorgfältiges Arbeiten und Liebe zum Detail zählen auch hier viel und ich gebe mir Mühe keinen Öltropfen auf Bodenblechen oder gar auf der Stiege zu hinterlassen. Fast etwas lustbetont greife ich eine gute Handvoll himbeerrotes Staufferfett aus dem Kübel und streiche es in die Büchse. Bereits entweicht aus den Radkästen der Dampf aus den Schlammhähnen. Langsam dreht die Maschine zum Anwärmen.
16. Juli In einer Schleuse
Wir fahren in die düstere Schlucht einer Schleuse ein. Dumpfer als sonst widerhallt das trommelnde Klatschen der Radschaufel von den triefend nassen, grünschlickigen Wänden. Nach einigen Umdrehungen rückwärts kommen wir zum Stillstand. Nachdem die Staufferbüchsen nachgezogen sind, gönne ich mir ein kurzes Luft schnappen an Deck. Bereits steigen wir spürbar, noch bevor der letzte Meter bis zum oberen Wasserspiegel erreicht ist, hole ich unten die Maschinenölkanne, um kurz vor dem Weiterfahren bei den Kurbeln und Exzentern draufzuschmieren. Kaum läuft die Maschine, drehe ich die Schmierapparate durch, bis es auf die Abstreifbänder tropft und sich auf den Kolbenstangen kleine Ölringe bilden. Alles ist in Ordnung.
17. Juli Abschied
Heute hole ich die Familie am Linzer Hauptabahnhof ab. Gemeinsam genießen wir eine Talfahrt. Zum Abschied erhalte ich noch allerlei Geschenke, liebe Erinnerungen an eine unvergessliche Zeit.
Dreimal das älteste Dampfschiff auf der Donau. Links bei Abfahrt von Linz nach Wien von der Anlegestelle und dem Pöstlingberg im Hintergrund. Rechts Bergfahrend in der Wachau, ebenfalls im Linienverkehr. Das letzte Bild zeigt den Veteran in der Schleusenkammer der Ybbser Schleuse. (Sammlung Raffy)
Auch heute gibt es noch Maschinisten die den Maschinenraum der "Schönbrunn" in Schuss halten. Bei Nostalgiefahrten ist das alte Dampfschiff wieder sehr gefragt. (Sammlung Feher)
Die Schönbrunn "dampft" wieder
Wieder voll einsatzfähig nach der großen Reparatur: DS "Schönbrunn" bei der ersten Ausfahrt in Linz 2010 (Sammlung Steindl)
Nachdem die "Schönbrunn" fast das gesamte Vorjahr über havariert in der Linzer Schiffswerft lag, konnte 2010 wieder der Fahrbetrieb aufgenommen werden. Am 01.06. kam sie auch endlich nach Wien, wo eine Abendfahrt auf dem Programm stand. So sollte das alte und einzig verbliebene fahrtüchtige Dampfschiff auf der Donau am Nachmittag, von Krems kommend, in Wien bei der Reichsbrücke anlegen. Wobei ihr Eintreffen sogar in einer kleinformatigen Tageszeitung samt Bild avisiert wurde. Es verstand sich wohl von selbst, dass sich viele ehemalige Donauschiffer Karten besorgt hatten um bei der Abendfahrt dabei sein zu sein. Auch dem Verfasser dieser Zeilen gelang es, nach kleinen Schwierigkeiten bei der Internet - Bestellung, Karten zu erwerben. Man machte sich schon lange vor der Ankunftszeit auf den Weg, denn solch eine Gelegenheit zum Fotografieren ergab sich ja nicht alle Tage. Doch leider war das Schiff nirgends zu sehen. So nahm man auf der Terrasse des sich beim Schifffahrtszentrum befindlichen Lokals, oder auch auf den Bänken am Donauufer Platz, um dort auf die Ankunft des "Oldtimers" zu warten. Die Zeit verging und es gab noch immer keine Spur von dem Ausflugsschiff. Inzwischen füllte sich die Donauländer immer mehr mit Menschen, die nach der "Schönbrunn" Ausschau hielten. Dabei hatten die "Witzeerzähler" und andere selbsternannte "Alleinunterhalter" ihren großen Auftritt. Als nämlich ein kleineres Motorboot ziemlich knapp an der Kaimauer vorbeifuhr wurde mit lustigem Gesicht behauptet: "Die "Schönbrunn" hat Maschinenschaden. Statt ihr hat man das Motorboot hierher geschickt"...
Ja und gegen 19.00 Uhr tauchte unser heutiges Fortbewegungsmittel doch auf. Aber aus einer ganz anderen Richtung. Was hieß überhaupt die "Schönbrunn" tauchte auf? Sie erschien! Mit einer Gleichmäßigkeit sondergleichen durchpflügten ihre Schaufelräder den Strom, dem man hier viel von seinem einstigen Schrecken genommen hatte. Fast schon majestätisch drehte sich ihr Bug und der hoch aufgerichtete Kamin langsam zur Kaimauer hin. Im breiten Ruderstand hatte der Steuermann das Ruder fest im Griff, genauso wie der Kapitän der das Schiff vom linken Nockhaus aus mittels Maschinentelegraphen (Fahrtgeber) dirigierte. Backbord standen an Deck Bootsmann und Matrosen bereit, um sich an der Kaimauer anzuheften. Der Duft von Küchengeruch und Öl lag in der Luft, der sich noch verstärkte, als aus dem Kamin schwarze Rauchschwaden qualmten. Es schien als wäre die Zeit stehengeblieben und die ruhmreiche DDSG würde noch immer ihre weiße Flotte täglich von Wien nach Passau schicken. So wie damals, als die "Schönbrunn" als Flaggschiff der schon lange untergegangenen österreichischen Donaureederei ausgewiesen war...
Der "Veteran" der Donau schwebt an die Kaimauer. Einiges Gedränge beim Einsteigen
Natürlich drängte alles zum Einstieg um an Bord zu gelangen. Nachdem wir den ersten großen Ansturm abgewartet hatten stiegen auch wir ein. Wo wir gleich mit einem herzlichen "Willkommen an Bord" vom Deckpersonal freundlich empfangen wurden. Für die Damen stand ein Begrüßungscocktail bereit, dem man sich vom bereitgestellten Tablett nehmen konnte. Das Getränk bestand in der Hauptsache aus Rum, der mit viel Zucker sowie Likör und klirrenden Eiswürfeln verfeinert worden war. Auf jeden Fall sehr erfrischend. Da viele der Passagiere noch keine Karten hatten, mussten sie diese beim Zahlmeister lösen. Dieser residierte in seiner Kabine backbord vor dem hinteren Speisesaal. Da auch wir uns hier die reservierten Karten abholen mussten, reihten wir uns in die lange Warteschlange ein, die fast den ganzen Gang entlang reichte. Nach einer langen Wartezeit wurde uns von einem weiteren freundlichen Mannschaftsmitglied ein Tisch im Speisesaal zugewiesen. Es klappte alles vorzüglich, auf dem Tisch lag sogar ein Zettel mit Namen und Personenanzahl. Die Bedienung war aufmerksam, kompetent, sowie sehr flink. Kaum hatten wir abgelegt meldete sich auch schon die freundliche Stimme des Kapitäns um sich für die etwas längere Wartezeit bei der Einschiffung zu entschuldigen. Der PC, mit dem man die Einteilung schon längst bewerkstelligt hätte, wäre abgestürzt. Dadurch sei man gezwungen gewesen alles nochmals vor Ort zu koordinieren. Wobei der Herr Kapitän zum Schluss noch im breiten oberösterreichischen Dialekt hinzufügte: " Bei der "Nibelungenfahrt" vor einigen Wochen haben wir in 20 Minuten 400 Passagiere "niedergsetzt". Was mich wiederum zum Schmunzeln brachte. Ja, ja, das alte Dampfschiff hatte sich gegen die Technik der heutigen Zeit erfolgreich zur Wehr gesetzt...
Nach der Abfahrt werden Getränke geholt, Fachgespräche geführt und kontrolliert was sich am Schiff alles verändert hat.
Das warme Buffet, welches backbord im Mittelgang entlang des Maschinenraumes aufgebaut wurde, spielte alle "Stückerln". Alles was da angeboten wurde schmeckte hervorragend. Trat bei einem Gericht ein Engpass auf, wurden die Töpfe blitzschnell wieder aufgefüllt. Das Kommando stand für die Allgemeinheit zur Besichtung offen, wo sich die Crew bereitwillig allen Fragen der Passagiere stellte. Im Maschinenraum gab es sogar Führungen die von kompetenten und überaus freundlichen Maschinisten durchgeführt wurden. Wobei sich besonders Herr Maschinist Maximilian F. auszeichnete. Er wurde nicht müde sich den auch noch so ausgefallenen Fragen der Passagiere zu stellen. So kämpfte sich der "Oldtimer" mit monotonen Stampfen der Schaufelräder sowie rhythmisches Stampfen der Schiffsmaschine bei untergehender Sonne stromaufwärts. Vor der Schleuse in Greifenstein wurde umgedreht und die Rückfahrt nach Wien angetreten. Allein schon das Wendemanöver war ein Erlebnis. Dem Auftauchen des letzten Dampfschiffs auf der Donau wurde vom passierenden ukrainischen Schubkoppelverband durch mehrfache Betätigung des Signalhorns Tribut gezollt. Was der "Schönbrunn" ein lautes Zurückpfeifen mit der Dampfpfeife wert war, wobei ein leichter Wasserschleier auf die Passiere am Oberdeck niederging. Freundlich winkten die Leute am Ufer und alle der Passagiere waren zufrieden. Viele unter den 320 Mitreisenden waren ehemalige DDSG- Mitarbeiter und Binnenschiffer. Sie ließen es sich natürlich nicht nehmen der "alten Dame" ihre Aufwartung zu machen. So traf man viele bekannte Gesichter, Erinnerungen an die DDSG- Zeit wurden ausgetauscht und man konnte nochmals so herrlich fachsimpeln. Dass es dabei nicht ohne "geistlichen Beistand" abging, war auch klar. Es waren noch immer sehr viele Erinnerungen da und man fragte sich wirklich wo denn die Zeit hingekommen sei?...
Nach der Begrüßung durch das ukrainisches Schubschiff betätigte der Kapitän die Dampfpfeife, was wiederum eine feuchte Angelegenheit war. Auf der Kommandobrücke und im Speisesaal war die Stimmung prächtig. Man hatte sich viel zu erzählen.
Dass aber nicht alles Gold war, das glänzte und es noch für die Mannschaft viel zu tun gab, bewies der Besuch des Herren- WC. Hinter mir betraten noch zwei Herren mit der Figur von Möbelpackern den kleinen Raum. Es waren Leute von der Mannschaft, wie ich später feststellte. Als hinter ihnen mit einem lauten Knall die schwere Eisen-Eingangstüre zufiel. Als ich nun die Bedüfnisanstalt verlassen wollte, war dies unmöglich. Durch das Zuschlagen der Tür war der schmiedeeiserne Türgriff aus der Verankerung gefallen, der jetzt am Boden lag. Ich hob ihn auf um zu versuchen damit das Schloss von innen zu öffnen. Leider vergeblich. Der Knauf passte nicht ins Türschloss und so waren wir weiterhin im Raum gefangen. Als sich einer der beiden Männer im breiten oberösterreichischen Dialekt an mich wandte: "Geht's net?", wollte er von mir wissen. "Leider nicht", gab ich meine Bemühungen zur Befreiung auf. "Möchte nur wissen was wir jetzt machen?" "Das ist kein Problem", nahm er mir die Türschnalle aus der Hand. "Wir müssen nur warten bis von draußen aufgemacht wird". Damit klopfte er in regelmäßigen Abständen mit der Faust gegen die Tür. Es dauerte auch wirklich nicht lange bis die Tür von Außen geöffnet wurde. "Na also", zeigte sich der "Klopfer" zufrieden. Dann nahm er den außen angebrachten Türknopf in die Hand um das lange Eisen durch die dafür vorgesehene Türöffnung zu schieben. Der innere Türknopf wurde eingeklinkt und das Schloss funktionierte wieder einwandfrei. So etwas musste also schon einige Male vorgekommen sein...
Bei der Rückfahrt ging es bis zur Stadlauer Brücke wo der Kapitän den Passagieren noch Gelegenheit gab Wien auch von einer anderen Seite zu entdecken. Pünktlich um 22.30 wurde wieder am Praterkai angelegt und die Fahrt war, für fast alle, viel zu früh zu Ende. Auch mich beschlich ein wenig Wehmut als ich an die damalige Zeit zurückdachte. Wie oft hatte ich damals als Schiffsjunge am "Eil - oder Postschiff" noch den alten Praterkai mit der Passagierhalle erlebt. Auf jeden Fall war es ein tolles Erlebnis und man kann stolz darauf sein dass es der Verein "Österreichische Gesellschaft für Eisenbahngeschichte GmbH." möglich gemacht hat diese Dampfschifffahrt zu genießen. Solch eine Herzlichkeit die von der Besatzung ausging, die ja alle ehrenhalber arbeiteten, habe ich noch selten erlebt. Mit solch einer Freude und Hingabe wurde wahrscheinlich noch auf keinem anderen Schiff gearbeitet. Dazu passt auch die Aussage des rührigen Maschinisten Maximilian F., der im Brustton der Überzeugung verkündete: "Ich bin stolz darauf auf einem Dampfschiff arbeiten zu dürfen"....
Maschinist F. bei der Arbeit Goldtaler (eingepackte Schokolade), Bordkarte, sowie weitere Souvenirs wie Aschenbecher und Tragtasche mit Schiffsaufdruck.
Technische Daten der "Schönbrunn"
| Maschine | |||
| Typ | Dampffahrgastschiff | Schräg liegende Heißdampf- Verbundmaschine | |
| Baujahr | 1912 | Zylinderdurchmesser | 708 mm |
| Bauwerft | DDSG- Werft Budapest | (Hochdruck- Niederdruckzylinder | 129 mm |
| Heimathafen | Linz | Kolbenhub | 1200 mm |
| Länge | 74,62 m über alles | Nennleistung | 707 PSi |
| Breite | 15,78 m über Radkästen | Höchstleistung | 1200 PSi |
| Tiefgang | 1,73 m größter zulässiger | Kessel | |
| Passagiere | 900 Personen | 2 Schottenkessel mit Rauchrohrüberhitzer | |
| Sitzplätze | ca 300 unter Deck | Kesseldruck | 10,5 bar |
| je 2 Flammrohre | |||
| Schaufelräder | |||
| 2 Patenträder mit je 8 Schaufeln | |||
| Durchmesser | 4020 mm |
Mit dem Dampfer "Schönbrunn" im Donautal
Blick vom Pöstlingberg auf Linz. Besonders am zweiten Foto sind die Nebel der "Voest"- Anlage deutlich zu erkennen. Der eigene Ponton der "Schönbrunn" am Urfahraner Ufer. So präsentiert sich das Schiff vom rechten Donauufer aus gesehen. Am fünften Bild ist auch noch das dahinter liegende schwimmende Partylokal zu erkennen. Von der Ferne grüßt die Kirche des Pöstlingberges.
Am Samstag, dem 20. August 2011, lud der einzige noch verbliebene Raddampfer auf der Donau, zu einer Ausflugsfahrt ins Obere Donautal ein. Es sollte, wie immer, eine unvergessliche Donaureise werden. Da wir schon am Vortag anreisten, begaben wir uns bereits weit vor der offiziellen Abfahrtszeit zum eigenen Anlegponton am linken Donauufer. Doch wir waren nicht die einzigen, die diesen Gedanken hatten. Schon so an die 25- 30 Leute hatten es sich auf den Parkbänken und den Steinen rund um den Schiffsanlegplatz bequem gemacht. Diesmal musste man den Veranstaltern ein großes Lob aussprechen, die anscheinend aus früheren Fehlern gelernt hatten. Gab es bei den vorangegangenen Reisen immer einen unangenehmen Stau beim Einsteigen, (da man erst knapp vor der Abfahrt an Bord gelassen wurde), so war es diesmal ganz anders. Die Glockenschläge der Kirche am Linzer Hauptplatz läuteten die volle Stunde (10.00 Uhr) an, als die Fahrgäste vom Bootsmann an Bord gebeten wurden. Mit lauter, kräftiger Stimme, sowie imposanter Statur schmetterte er jedem einzelnen Fahrgast ein "Herzliches Willkommen auf der Schönbrunn", entgegen. Eine freundliche und besonders nette Geste, die bei den Passagieren recht gut ankam. Wenn vielleicht auch nicht alle diese Worte verstanden. Den unter den Fahrgästen die in der Hauptsache breiten, oberösterreichischen Dialekt sprachen, befand sich auch eine große Reisegruppe aus Amerika. Ja, ja, die Donau und das alte Dampfschiff waren sicherlich auch für die Amis große Anziehungspunkte. So hatten wir genügend Zeit um uns einen angenehmen Sitzplatz zu suchen. Unsere Wahl fiel auf das Heck, wo wir am Oberdeck unter freiem Himmel eine Bank in Beschlag nahmen.
Nach der obligaten Wartezeit von einigen Minuten setzte sich das alte Dampfschiff langsam, zischend und fauchend, kurz nach 11.00 Uhr in Bewegung. Bald hatte uns das rhythmische Stampfen der alten Maschinen, sowie der Geruch von Russ und verbranntem Öl völlig in Beschlag genommen. Stromaufwärts grüßte in Fahrtrichtung rechts der Pöstlingberg, deren Kirche bei prächtigem Sonnenschein noch lange gut zu erkennen war. Am linken Ufer prangte an einem Wohnhaus ein Protestspruchband (Ring zerstört das Donautal). Mit einer Geschwindigkeit von ca. 25 km/h durchpflügten die Schaufelräder des Donauveterans die auch hier aufgestaute Donau.
Kurz vor Ottensheim, wo einige Passagiere zustiegen. Blick auf das Ottensheimer Kraftwerk. Ein wenig mitgenommen sieht der Ottensheimer Ponton schon aus. Die Fähre dort führt die hochtrabende Bezeichnung "Drahtseilbrücke Ottensheim". Blick auf die Schleusenkammer bei der Einfahrt. Hier ist es offiziell: bei Stromkilometer 2157 liegt Brandstatt an der Donau.
Nachdem man kurz in Ottensheim angelegt sowie die dazugehörige Schleusenfahrt durchgeführt hatte, erreichte man gegen 13.30 Uhr Aschach, das erste Teilstück unserer Reise. Der Besuch des dortigen Kunsthandwerksmarkes geriet aber leider zum Flop. Erstens hatten wir dafür nur knapp eine Stunde Zeit, wobei die ersten Minuten schon am Weg dorthin draufgingen. Denn die vielen Buden standen ein weites Stück stromaufwärts an der Donaulände. Zweitens wurden da Sachen angeboten, die eigentlich nur etwas für wirkliche Liebhaber waren. Und das auch noch zu überhöhten Preisen. Wir, die eigentlich feines Keramikgeschirr oder Schnitzarbeiten erwartet hatten, sahen uns mit Sachen konfrontiert, die eigentlich keiner brauchte. Wer stellt sich denn schon einen Sessel, der aus zwei zusammengefügten Holzbrettern besteht, in die Wohnung? Oder erwirbt einen ordinären Fleckerlteppich zum Preis von über 40 Euro? Aber vielleicht war das wirklich "Kunst", nur haben wir sie nicht verstanden? Am Imposantesten fand ich noch die riesige Holzzille, die in der Querrichtung am Donauufer aufgestellt war.
Die ersten Häuser kommen in Sicht und bald wird am dortigen Ponton angelegt. Ein imposanter Anblick: Die "Schönbrunn" vor Aschach. Voller Betrieb beim Aschacher Kunsthandwerksmarkt. Das einzige Imposante daran war die aufgestellte Holzzille.
Pünktlich erfolgte um 14.30 Uhr die Abfahrt, sowie die Fahrt durch die Aschacher- Schleuse. Wobei wieder einmal das große nautische Können des Kapitäns sowie des Rudergängers auffiel. Der I. Steuermann führte das klobige Schiff so behutsam durch alle Schleusenkammern, dass nicht einmal das leiseste Anstoßen des Schiffskörpers an die Schleusenmauer zu vernehmen war. Überhaupt war dieser Schiffsoffizier ein echter "Sir". Er musste weit über 70 sein, doch mit seinem schneeweißen, vollem Haar sowie seinem selbstbewussten Auftreten merkte man ihm das nicht an. Wahrscheinlich ein alter DDSG-Veteran, der lange Zeit auf den Passagierschiffen gefahren war. Leider war sein Name nicht zu eruieren, da er als einer der wenigen der Mannschaft kein Namensschild trug. Ihn danach zu fragen getraute ich mich auch wieder nicht, da er eine echte Persönlichkeit darstellte. Er erinnerte mich an meine Zeit bei der DDSG. Damals waren die Schiffsoffiziere auf den Linienschiffen alles echte Persönlichkeiten, die sich ihren Respekt nicht mehr verdienen mussten. Sie hatten ihn eben.
Schiffsbewegungen auf der Donau: Das neue bulgarische Schubschiff "Pristain" aus Ruse talfahrend vor der Aschacher Brücke. Seit dem bulgarischen EU- Beitritt hat sich auch für dessen Binnenschiffer vieles verändert.Das ukrainische Passagierschiff "Volga", das noch im Vorjahr zwischen Passau und dem Schwarzen Meer unterwegs war, wird heuer nur noch als "Radtramper" auf der Strecke Passau- Budapest eingesetzt. Man beachte den üppigen Blumenschmuck rund um das Heckrestaurant. "Anton BRUCKNER" aus der Flotte des deutschen Reeders "Wurm und Köck" beim Abfahrtsmanöver in Linz. Jeden Samstag fährt das Schiff zu Tal nach Wien.
Stromaufwärts ging es weiter durch das wunderschöne Donautal, durch die Schlögener Schlinge. Die Sonne brannte unbarmherzig vom Himmel und der Getränkekonsum stieg immer weiter an. Wobei auch die Leute vom "Catering" sehr positiv zu erwähnen sind. Nicht nur, dass wie immer alle Speisen vorzüglich schmeckten. hatten die Damen und Herren immer ein freundliches Lächeln auf den Lippen. Ganz toll auch der Verantwortliche im oberen Hecksaal. Obwohl es eigentlich nicht vorgesehen war dort essen zu können, machte es dieser Herr, der sicherlich auch aus Oberösterreich stammte, dies doch möglich.
Immer wieder ein Erlebnis: Die Fahrt durch die "Schlögener Schlinge". Begegnung mit dem Deutschen Schubkoppelverband "Nürnberg" vor Schlögen. Der Ort mit dazugehörendem Anlegeponton.
In Schlögen wurde umgedreht, von dort die Rückfahrt angetreten. Wieder war deutlich zu erkennen, dass die dortige "Schlinge" wohl zu den schönsten Gegenden an der Donau zu zählen ist. Sowie die Mannschaft die immer kompetent und freundlich blieb. So wurden Exkursionen auf Kommandobrücke und Ruderstand veranstaltet, die immer sehr umlagert waren. Aber auch bei den dümmsten Fragen die an die Crew gestellt wurden ("Können sie mir bitte die Wassertemperatur in der Schleuse sagen?"), blieb man weiterhin nett. Auch der Herr Kapitän blieb zuvorkommend. Immer, wenn er die schrille Dampfpfeife des Schiffs betätigte warnte er die fast daneben sitzenden Passagiere. Sie sollten sich die Ohren zuhalten. Dass sie durch das Pfeifen mit feinsten Sprühregen überschüttet wurden, konnte aber auch er nicht verhindern. Aber so ist das nun einmal auf einem alten Dampfschiff.
Abschied von Schlögen, es geht wieder stromabwärts. Das alte Wikingerschiff "Neufundland" als neue Donau - Attraktion. Zufällig ist diese Begegnung bei Stromkilometer 2168 (alte Grenze Obermühl - Aschach) dokumentiert. Verlassen der Aschacher-Schleuse deren Schleusenkammer mit vielen Figuren in Donaustein eingelassen. In Aschach verließ der Großteil der Passagiere das Schiff.
Ankommend in Aschach wurde ich wieder einmal an meine Schiffsjungenzeit auf einem Passagierschiff erinnert. Einmal, da das Schiff ohne umzudrehen in Fahrtrichtung zu Tal am Ponton anlegte. Da dachte ich an meine Zeit als so genannter "Strupfenmeister" zurück. Das zweite Mal als der ältere Herr aus der Mannschaft zwischen Ponton und Schiff den schützenden" Fender" oder "Ballon" dazwischen hielt. "Ballon" einhalten und Fahrgäste mittels Zähluhr zählen, gehörten zu den Hauptaufgaben der Schiffsjungen. Wenn auch der liebenswürdige ältere Herr diese Agenten hier übernommen hatte. Ihm konnte man sicherlich nicht mehr als Schiffsjunge bezeichnen. Er machte alles mit Inbrunst und man konnte erkennen, dass es ihm große Freude bereitete. Genau so wie das "Umlegen" des Kamins, welches er immer souverän bewerkstelligte. In Aschach stieg ein Großteil der Passagiere aus, so dass es zu einer längeren Wartezeit kam. Was der Kapitän mit einem Kopfschütteln zur Kenntnis nahm. "Jetzt habe ich eh schon eine halbe Stunde Verspätung und jetzt auch das noch"., gab er etwas knurrend, aber sehr leise von sich.
Der Kapitän legte mit seiner Mannschaft ein gutes Anlegemanöver in Aschach hin. Trotzdem mit kritischem Blick. Aber keine Angst, die Verspätung hat man bis Linz wieder aufgeholt. Warum so ernst Herr "Kaminumleger"? Sie machen doch einen tollen Job. Keinen Kratzer wies bei der Weiterfahrt der Aschacher Ponton auf.
Auch wir hatten Bedenken, dass wir unseren Zug nach Wien um 21.19 Uhr durch diese Verspätung nicht mehr erreichen würden. Noch dazu tobte in Linz das "Krone- Fest". Die Straßenbahnlinien waren eingestellt, Ersatzbusverkehr würde eingerichtet werden. Doch da zeigte die "alte Dame" was sie maschinenmäßig noch immer drauf hatte. Unter schwarzem Rauch sowie mit wild stampfender Maschine, erreichten wir Linz und legten, als die Kirchenglocke schlug, genau um 18.00 Uhr wieder in Urfahr an. Damit wurde wieder einmal bewiesen, dass der alte "Schiffsdino" noch lange nicht zum alten Eisen zu zählen ist.
Als wir zufrieden von Bord gingen verabschiedete sich der Herr Bootsmann noch von seinen Passagieren. "Wenn es ihnen gefallen hat, dann empfehlen sie uns weiter", meinte er lächelnd. Was wir damit sehr gerne getan haben...
Junges Blut auf altem Dampfer
Herbstzauber im Donautal mit DS "Schönbrunn"
Samstag, dem 24. September 2011 lud das ehrwürdige Dampfschiff "Schönbrunn" zur Saison- Abschlussfahrt von Linz nach Engelhartszell ein. Eine Tagesfahrt durchs Obere Donautal mit den Bedarfshalten Aschach, Schlögen und Niederranna. Obwohl wir uns eigentlich bereits im Herbst befanden, meinte es das Wetter noch einmal gut mit uns. Es herrschten fast sommerliche Temperaturen, die Sonne lachte vom Himmel und mit uns um die Wette. So gingen wir als zwei von ca. 300 Passagieren gutgelaunt an Bord, wo vieles anders war als auf unserer vorigen Reise. So fiel uns eine große Zahl älterer Herren in schmucken blauen Uniformen, sowie mit weißen Rauschebärten auf. Diejenigen, die schon etwas schütteres Haar hatten, kaschierten dies mit der schmucken Uniformkappe. Oder ließen sich die wenigen noch verbliebenen Haarsträhnen eben sehr lang wachsen. Es war dies die Gruppe der österreichischen Marinefunker, die sich gleich in den vorderen Speisesaal zurückzogen. Im hinteren, unteren Salon, hatte sich eine Country- Band schon häuslich eingerichtet. Sie spielten während der Reise gepflegte Country - Songs, ziemlich gut sogar. Auch ein eigenes TV- Team von "Servus - TV" machte die Fahrt mit. Dazu war der "Sir" von einem Steuermann ebenfalls wieder an Bord. So wie der Altschiffsjunge und Ballon- Halter.
Kurz vor der Abfahrt in Linz dreht die "Anton Bruckner" um, um ihre Reise nach Wien anzutreten. In einer Nebelwolke aus Rauch und Dampf legt auch die "Schönbrunn ab". Kurz vor der Brücke hat man wohl das nautische Gerät etwas zweckentfremdet. Vorbei geht es an den einladenden Gasthäusern in Urfahr. Die Uhr in der Puchenau zeigt an, dass wir gut in der Zeit liegen. Noch ein prüfender Blick vom jungen Kapitän vom Kommando herab- es ist alles in Ordnung.
Außerdem gab es einen anderen Bootsmann als auf der vorherigen Fahrt. Die damalige "Mutter des Schiffes" befand sich zwar auch an Bord, aber diesmal in keinerlei wichtigen Funktion. Obwohl er seinen linken Arm eingebunden hatte, ließ er es sich nicht nehmen Schiffsführungen in den Ruderstand zu veranstalten. Doch die größte Überraschung war wohl die, als wir uns bei der Zahlmeisterkabine unsere vorbestellten Fahrkarten abholen wollten. Da hatte man doch tatsächlich den etatmäßigen Kapitän des Schiffs, Herrn R. kurzerhand zum "Zahlmeister" degradiert. Wobei es der Herr Standardkapitän selbstverständlich nicht als Degradierung sah. "Leider hat uns diesmal unser Zahlmeister in Stich gelassen", erklärte er uns. "So habe ich halt einspringen müssen. Schau, wir sind ja froh, wenn wir auf neue Leute zurückgreifen können", fuhr er weiter fort. "Darüber bin ich sehr froh". Trotzdem konnte ich ihm das nicht so richtig glauben.
Den größten Teil der Reise erlebten wir vom hinteren Teil des Schiffs aus, später platzierten wir uns Steuerbord neben dem Kamin. Das Catering funktionierte wie bei jeder Reise einwandfrei, das Restaurationspersonal war und blieb, trotz des großen Geschäftsgangs, bis zum Ende freundlich und zuvorkommend. Diesmal servierte man sogar das bestellte Mittagessen in dem Raum, wo sonst nur Selbstbedienung vorgesehen war. Auch das Filmteam drehte und drehte. Wenn man wissen wollte wo gedreht wurde, brauchte man nur der Schlange der Passagiere zu folgen, die die beiden Damen und dem Herrn von "Servus TV" regelrecht einkreisten. Wahrscheinlich hofften sie darauf in der Reportage selbst ins Bild zu kommen.
In Aschach hält sich der Fahrgastandrang in Grenzen. Zu dieser frühen Stunde sind die Lokale an der Donau noch ziemlich leer. Die Schleuse Aschach taucht im Blickwinkel auf. Über Obermühl erreicht man die Station Schlögen. Blick auf die herrliche Landschaft, in dem Steingebilde am Ufer kann man vielleicht sogar eine Gämse erkennen. (Mit viel Fantasie).
Die ersten Fahrgäste stiegen in Schlögen aus. Wobei wir die nautische Geschicklichkeit des jungen Kapitäns bei den diversen Manövern bewundern konnten. Waren wir am Anfang noch etwas skeptisch gewesen, so zeigte Kapitän Martin, ein junger, schlanker, fescher Schiffmann, dass er auch mit der Führung eines so alten und ungewohnten Schiffstyp vertraut war. Altkapitän R. kam zwar einige Male auf die Brücke um ihn mit Rat und Tat zu unterstützen, was es eigentlich gar nicht brauchte. Außerdem hatte er ja den I. Steuermann, der so gut mit dem neuen Kapitän harmonierte, dass bei den Schleusenfahrten nicht das kleinste Anfahrgeräusch zu vernehmen war.
In Engelhartszell wurde so gegen 14.20 Uhr angelegt, wo der Großteil der Passagiere das Schiff verließ. Auch wir statteten dem Trappistenkloster einen Besuch ab. Nach dem Erwerb des weltberühmten Kräuterlikörs wurde die Ausstellung "Donaugeschichten" besucht. Hier waren einige interessante Exponate ausgestellt die man bestaunen konnte. Darunter auch die Nachbildung der Steuermanns -Wohnräume eines DDSG-Schleppkahns. Nur der Herr, der da in seiner Portierloge saß, trübte etwas den guten Gesamteindruck. Nicht nur, dass unser freundliche Gruß nicht erwidert wurde, machte er keinerlei Anstalten den Strom einzuschalten.
Majestätisch steht das alte Dampfschiff am Aschacher Ponton. Auch hier ist die Landschaft zauberhaft. Kein Besuch des Engelhartszeller Klosters ohne den Erwerb des Klosterlikörs. Einige Ausstellungsstücke der Ausstellung "Donaugeschichten, die wirklich sehr interessant war.
Noch einige Unikate aus der Ausstellung. Blick auf die "Schönbrunn" vom Ausstellungsraum. Auch die Besatzung ist an Land präsent.
Das tat aber der guten Stimmung keinerlei Abbruch. Um 15.10 Uhr, fast pünktlich, ließen wir mit einem Nebel aus Dampf und Rauch Engelhartszell hinter uns um die Heimreise nach Linz anzutreten. Wobei sich der Harr Kapitän als ungemein sympathisch entpuppte. Wir hatten wieder unseren Stammplatz Steuerbord neben dem Kamin eingenommen um die letzten Sonnenstrahlen das Tages zu genießen. Plötzlich wies der Kapitän mit Zeichensprache zu seinem Steuermann hin, dass er jetzt das Kommando verlassen würde. Dabei kam er auf uns zu um uns persönlich herzlich zu begrüßen. Kapitän Martin stammte aus Oberösterreich, hatte studiert und fuhr im Hauptberuf bei einer französischen Reederei. Was ihn aber noch viel sympathischer machte war die Tatsache, dass er sich nicht selbst als großen Chef bezeichnete. Denn als ich die Rede auf den I. Steuermann lenkte und meinte, dass dieser schon ein ausgezeichneter Schiffmann sei, antwortete der Kapitän darauf: "Das kannst du laut sagen. Der hat das Schiff so etwas von in der Hand. Ich brauche gar nicht viel zu sagen, er macht fast alles von allein." Was mir sehr imponierte.
Ein lohnendes Objekt für die Filmleute war natürlich immer der junge Kapitän. Der "Sir" vom Steuermann, tritt seinen Dienst am Ruder an. Es zog ihn immer wieder auf die Brücke: Kapitänsoldy Herr R., der für diese Reise selbstlos ins zweite Glied zurückgetreten war. Diesmal nicht in schmucker Uniform sondern im "Crew"- Leiberl.
Außerdem erfuhren wir noch, dass der Steuermann, "Sir" Karl A. 25 Jahre auf dem Schaufelbaggerschiff "Negrelli" als Nautiker zugebracht hatte. Dazu hörten wir ein Gespräch mit, wie der ebenfalls sehr sympathische "Kaminumleger" zur "Schönbrunn" kam. Vor Jahren war er auf einer Radtour mit Freunden unterwegs gewesen. Von Grein fuhren sie dann mit der "Schönbrunn" nach Linz. Diese Schiffsreise hatte den ehemaligen Fernfahrer so fasziniert, dass er unbedingt in der Crew mitarbeiten wollte. Nun waren es schon fünf Jahre die er auf der "Schönbrunn" fuhr. Faszinierend, dass es auch heute noch solche Leute wie Herrn R., alias "Rauchi" gibt.
Immer wieder mit Stolz bei der Arbeit- der Schiffsjungen Senior. Auch der Bootsmann, ein Bär von einem Mann, im Gespräch mit dem Kapitän. Während die übrige Besatzung bei der Seilarbeit brillierte, sowie am Kommando bei den TV- Aufnahmen. Sieht ein wenig müde aus die junge Dame- kein Wunder bei der vielen Arbeit in der Küche. Eine der vielen unsichtbaren Helferinnen die mit ihrer Arbeitsleistung auch zum Gelingen der tollen Reise beitrug.
Je näher wir Linz kamen, desto alkoholgetränkter wurde die Luft an Bord. Die Bedienung hatte alle Hände voll zu tun um alle Trinkwünsche zu befriedigen. Als dann noch in Aschach nach gelungenem Manöver Herr GOAZ - (Größter Otto aller Zeiten) einstieg, war alles perfekt. Jubel, Trubel, Heiterkeit als das Schiff pünktlich in Linz- Urfahr anlegte. Nach der Verabschiedung durch fast die gesamte Mannschaft war eines klar: Die Besatzung sowie alle die zur Crew gehören strahlen eine solche Herzlichkeit aus, die man heute wohl nur noch ganz selten findet. Deswegen kommen wir ganz bestimmt im nächsten Jahr wieder. Vielleicht sogar bei einer Fahrt nach Budapest?
Schifffahrt nach Devin (Theben)
Kurz nach der Abfahrt nach der Reichsbrücke grüßen stromabwärts bei der Pagode die neu adaptierten ehemaligen Donauschiffe "ARTHUR KASPAR" und "FREDRIK MISTRAL".
In der Saison 2011 wurde zum ersten Mal nach dem Fall des Eisernen Vorhangs von der österreichischen Donauschifffahrt die Station Devin (Theben) bei der Marchmündung angelaufen. Eine Gelegenheit die wir uns natürlich nicht entgehen lassen konnten. Hatte ich doch als ehemaliger Donauschiffer die damalige Zeit hautnah auf den DDSG- Schiffen miterlebt. So fuhren wir an einem strahlenden Junimorgen um 08.30 Uhr mit dem Flagschiff der Nachfolgereederei der DDSG zu Tal. Die Fahrt der MS "Tegetthoff" führte von Wien- Reichsbrücke nach Bratislava, mit Zwischenstationen in Hainburg und Devin. Wir strahlten mit der Sonne um die Wette, als der Bug des gut besuchten Ausflugsschiffes stromabwärts zeigte. Unter der fachkundigen Führung der Schiffsbesatzung erreichten wir Devin um dort über den etwas altersschwachen Anlegponton an Land zu gehen. Gleich bei unserer Ankunft war die Ortserneuerung deutlich sichtbar. Ganze Häuserzeilen waren neu gebaut und sogar ein echter "Leuchtturm" wachte über die Gegend. Apropos wachen- nichts war hier mehr vom ehemaligen Stacheldraht und den Postenhäuschen zu sehen, die in den 1960- Jahren das Uferbild beherrschten. Kein Mensch fragte dich nach deinem Reisepaß oder sonstigem Ausweis. Auf der Straße der March entlang, stand als einziges Relikt hochaufgerichtet ein großes Kreuz. Als Mahnmahl an die Zeit, in der die damaligen Bürger der CSSR für die Flucht nach Österreich ihr Leben aufs Spiel setzen.
Doch an diese Zeit erinnert hier an der Donau fast gar nichts mehr. Die Einheimischen kommen per Schiff von Bratislava hierher um die Burgruine zu besichtigen. Die Burg, die ja noch immer majestätisch am Felsen prangt, war auch unser erstes Ziel. Leider vergeblich. Aus Gründen, die uns niemand genau erklären konnte, blieb uns der Besuch versagt. Aber nicht nur wir, sondern auch alle anderen Interessenten standen vor verschlossenen Türen, Was natürlich sehr schade war. Aber wir konnten uns mit dem Besuch des Vorplatzes trösten, wo sich auch ein neuerbautes Hotel befand. Auf dem großen Platz befanden sich zahlreiche Imbissbuden sowie verschiedene andere Lokale. Man konnte unter "Hot Dogs" oder Slowakischen Spezialitäten wählen. Dazu kamen noch die Stände, wo man den berühmten Ribiselwein verkosten konnte. Außerdem fand da gerade eine Auto-Oldtimer-Show statt, die auch sehr interessant war.
Vorbei an der neuen Orther- Fähre, an entgegenkommenden Schubkoppelverbänden, tauchte Theben an der Marchmündung nach einer Flussbiegung auf.
Gegessen wurde in einem Gasthaus, rechts, etwas weiter hinter der Anlegstelle. Ein sehr gemütliches Lokal mit einem großen Gastgarten mit Bedienung, die Deutsch sprach. Es befand sich an dem sehr frequentierten Radweg der nach Bratislava bzw. Hainburg führte. In der reichhaltigen Speisekarte waren alle Speisen auch auf Deutsch übersetzt. Die Gerichte schmeckten ausgezeichnet, die Preise waren moderat. Es gab sogar ein billiges Menü, welches vor allen von den Einheimischen gern genommen wurde. Die Zeit verging wie im Flug, als das Schiff knapp vor 16.00 Uhr wieder in Devin anlegte..
Allgegenwärtig zwischen neu gebauten Häusern der "Leuchtturm" sowie die Ruine Devin.
Bei der Heimreise spielte gegen die Langeweile Alleinunterhalter "Frederik" auf. Ein ausgezeichneter Entertainer, der auch einen guten "Schmäh" besaß. Und das, obwohl er eigentlich aus Oberösterreich stammte. Vorerst schien aber im unteren Speisesaal keine richtige Stimmung aufzukommen, da man anscheinend viel zu müde zum Tanzen war. Doch dann bewies der Herr Kapitän wieder einmal was wirklich einen guten Schiffsführer ausmachte. Nicht nur, dass er Schiff und Besatzung voll im Griff hatte, wagte er sich auch als Erster aufs Tanzparkett. So legte er, als waschechter Steirer, mit den weiblichen Passagieren so manche kesse Sohle hin. Was nun wiederum andere Passagiere dazu ermutigte es ihm gleichzutun. Er war ein richtiger Sir, einer, der dem Kapitänsstand wirklich alle Ehre machte. Eben das, was schon sein Name aussagte. Aber auch die übrigen Besatzungsmitglieder waren Aushängeschilder ihrer Reederei. Der II. Kapitän ein junger "Feinspitz", kompetent in seiner Arbeit sowie bei der Auskunftserteilung. Der Bootsmann von solcher Freundlichkeit wie wir es noch auf keinem anderen Schiff erlebt hatten. Auch der Schiffsjunge verrichtete ruhig und unauffällig seine Arbeit. Fiel aber mit seinem roten Leiberl mit der Aufschrift "Crew" gegenüber den anderen Bordmitgliedern etwas ab. Man hätte ihm ruhig auch ein blütenweißes Hemd geben können, wie die übrigen Bordleuten auch. Nur eben ohne Schulterklappen...
Nach dem Blick auf das schöne Panorama von Ruine und Donau, findet man am Weg entlang einige Mahnmale aus schwerer Zeit. Nach dem Mittagessen in einem ausgezeichneten Restaurant nimmt die "Tegetthoff" wieder Kurs auf Devin.
Ein großes Lob auch an die vielen dienstbaren Geister der Restauration. Das Essen war ausgezeichnet, preiswert und wurde immer mit lachendem Gesicht serviert. Das muss man bei dem ganzen Stress einmal hinbekommen. Alle Achtung. Besonders das reichhaltige Süßwarenangebot konnte sich sehen lassen.
Auf jeden Fall war es eine tolle Fahrt die wir nicht so schnell vergessen werden. Umsorgt von den ungemein sympathischen Besatzungsmitgliedern, bewirtet von der Restaurationscrew und einem, vor Freundlichkeit sowie vor Kompetenz strotzenden Kapitän, wollten wir gar nicht mehr von Bord gehen. So meinte ich noch scherzhaft zu der lebenden DDSG-Legende, als wir etwas früher als vorgesehen bei unserem Ausgangspunkt ankamen: "Wir warten jetzt noch die 10 Minuten bis zur angegebenen Ankunft lt. Fahrplan, am Schiff ab. Schließlich haben wir ja bis 21.00 Uhr bezahlt"...
Schiffe wie der "City Liner", eine schnelle Verbindung von Wien nach Bratislava, moderne Schubkoppelverbände oder große, moderne Kabinenschiffe sind heute auf der Donau unterwegs.
Im Laufe der Jahre versuchte man die harten, aber auch die schönen Seiten der Schifffahrt den Außenstehenden näher zu bringen. Ein großes Thema war auch immer Weihnachten und Jahreswechsel am Strom und bei der großen Schifferfamilie. Nachfolgend sollen die beiden Reportagen stellvertretend für das Thema stehen, über das es sich doch so trefflich schreiben ließ. In den folgenden Originalberichten kann man genau vergleichen wie viel sich doch im Verlauf von Jahrzehnten bei Gesellschaft und Flotte geändert hat. Eines lässt sich aber bis heute nicht wegleugnen: Man war gerne Schiffmann und stolz darauf bei der größten österreichischen Donauschifffahrtsgesellschaft angestellt zu sein.
Der erste Bericht wurde von DDSG - Kpt. i. R Karl STÖTTBACHER verfasst und erschien im Jänner 1968 in der Folge 2 des "Donau - Kurier" unter dem Titel
Jahreswende in der "Stadt am Strom"
Erinnerungen an das letzte Weihnachtsfest und an Silvester vor dem ersten Weltkrieg
"Was glaubst du, erreichen wir am Heiligen Abend Wien?" So fragte am 23. Dezember 1913 der Kommandant des Zugschiffes "ALMAS", Kapitän P. Franz, seinen Lotsen, den "Lerch" - Seppl. DB "ALMAS" befand sich mit zwei beladenen Güterbooten im Anhang auf der Reise nach Wien und näherte sich in den Abendstunden Preßburg. Eine Weiterfahrt von Preßburg in den Nachtstunden wäre wegen Niederwasser zu riskant gewesen. Also übernachteten wir in Preßburg mit dem Vorhaben, am 24. Dezember zeitig früh die Reise fortzusetzen. In 15 Stunden wären wir in Wien gewesen, ja, wenn nicht um Mitternacht Nebel eingefallen wäre, es nicht zu schneien begonnen hätte und die Temperatur nicht stark unter Null gefallen wäre! Es wurde Mittag, ehe wir weiterfahren konnten. Der Schnee fiel immer dichter, die Sicht wurde immer schlechter und schließlich mussten wir gegenüber Theben am rechten Ufer vor Anker gehen.
Viele von der 18-köpfigen Besatzung waren verheiratet und so dachte ich - da es meine erste Weihnacht auf dem Schiff war -, dass nun eine traurige Stimmung aufkommen würde. Überrascht musste ich aber sehen, dass eine ungewohnte Geschäftigkeit begann. Ein kleines Christbäumchen tauchte auf, die Tische in der Offiziers- und in der Mannschaftsmesse wurden festlich gedeckt, die Köchin stellte ein extra gutes Abendessen her, ein Heizer probte auf seiner Ziehharmonika. Sogar Geschenkpackerln wurden hervorgeholt, die sich allerdings nachträglich zumeist als gelungene Juxpackerln entpuppten. So bekam der Kommandant ein Tauende, der Maschinenbetriebsleiter ein faustgroßes Stück Kohle usw. Die Schleppsteuerleute sowie deren Frauen und die Matrosen der beiden Anhangfahrzeuge kamen auch nach vorn auf den Dampfer. Die Frauen brachten selbstgebackene Mohn- und Nussbeugel und andere Süßigkeiten mit. Serbischer Zwetschkenschnaps, ungarischer Wein, Rachat aus Rumänien, Rosenmarmelade aus Bulgarien sowie serbische Zigaretten und bosnischer Tabak wurden aufgewartet. Es wurde ein Heiliger Abend wie in einer großen Familie. Als er gegen Mitternacht "unheilig" zu werden begann, war es auch schon wieder so weit, an die Weiterfahrt zu denken. Der Kommandant und der Maschinenbetriebsleiter hatten das Wetter beobachtet und um Mitternacht, als es aufklarte, setzten wir unsere Reise fort.
Gegen Abend kamen wir zur Einfahrt in den Winterhafen Freudenau, 9km unterhalb Wien. Durch Zuruf vom Land erhielten wir den Auftrag unseren Anhang abzustellen und nach Wien- Praterkai weiterzufahren. Immer dichter trieben die Eisschollen daher. Im Raum Wien war schon "Eisalarm" für die Schifffahrt gegeben worden. Die Einräumungsarbeiten in den Winterhafen, die Bergung der Fahrzeuge vor Eisgefahr hatte bereits begonnen und wurde auch in der Nacht fortgesetzt. Durch sofortigen Einsatz unseres Dampfers in den Bergungsdienst konnten die in Wien wohnenden Besatzungsmitglieder nicht heimgehen, um Nachweihnacht zu feiern. Die Bergungsarbeiten bedeuteten damals für die Schiffsbesatzung eine der härtesten Arbeiten im Schiffsleben. Auf fast allen Schiffen und Güterbooten musste das Schiffsruder, die Anker- und Schleppseilwinde noch von Hand aus betätigt werden. Aber einen Schiffsmann kann nicht so bald etwas erschüttern. Nach zwei Tagen waren alle Fahrzeuge im Winterhafen Freudenau geborgen. Der Winterhafenbetrieb begann und hatte sich bis zum 31. Dezember eingespielt. das Hafenkapitänat amtierte auf einem Oberbauschlepp, in dem auch die Schiffskantine und die Messeräume untergebracht waren. Matrosen und Heizer waren auf dem Kasernschlepp untergebracht. Die Filialwerkstätte arbeitete schon auf Hochtouren, um Eisschäden zu beheben, der Betrieb funktionierte wie am Praterkai. Hafen- und Brandwache waren aufgezogen. Die ca. 50 Güter - und Tankboote sowie die 6 Zugdampfer bildeten eine Einheit. Zusammengeheftet und und überdies durch das Eisen zusammengefroren. Eine Einheit, eine Lebensgemeinschaft von Familien und Einzelpersonen, die das ganze Jahr über auf dem Strom meist nur aneinander vorüberfuhren. Des Schiffers Lebensraum ist das Güter- und Tankboot auf dem Strom. Hier im Winterhafen war in wenigen Tagen ein Dorf auf dem Wasser, eine Siedlung entstanden. Wie in jeder anderen Siedlung auch wurde dort geheiratet, Kinder kamen dort zur Welt und der Tod hielt seine Ernte. Es wurde in dieser Gemeinschaft aber auch gelacht, getanzt und auch Feste gefeiert.
Ein großes Fest stand jetzt vor der Tür. Der Abschied vom "Alten Jahr" und der Beginn eines neuen. Ein herrlicher Silvestermorgen mit nur wenigen Kältegraden brach an. Die Fahrzeuge wurden mit Flaggen geschmückt, die Verbindungswege vom Schnee gereinigt und gestreut. Es hatten sich viele Gäste angesagt, denn Silvester im Winterhafen und der nach Mitternacht stattfindende Neujahrsball auf dem Wasser waren weithin bekannt. Der Messeraum wurde festlich geschmückt und der Kantineur hatte reichlichen Vorrat eingekauft. Für Unterhaltungs- - und Tanzmusik hatte das Veranstaltungskomitee eine Salonkapelle engagiert. Solisten aus dem Kreis der Schiffer hatten sich gemeldet um echte Schiffermusik auf Geige und Ziehharmonika in echtem Schiffermilieu darzubieten. Es versprach ein heiterer Silvesterabend zu werden. Um 19.00 Uhr hielt der Hafenkapitän an die erschienenen Gäste, an die Schiffer und deren Frauen eine Ansprache. Dann wurde das Silvestermahl aufgetragen. Dies war zur damaligen Zeit so opulent, dass zwischen den einzelnen Gängen Verschnaufpausen eingeschaltet werden mussten. Die Musiker und Solisten sangen, von ihren Frauen begleitet, Lieder in fast allen an der Donau gesprochenen Sprachen. Auch humoristische Vorträge brachten Stimmung ins Schiffervolk. Nun, in Stimmung kamen die Schiffer ja bald und überraschend schnell ging das "Alte Jahr" zu Ende. Vor Mitternacht hielt noch einer der anwesenden Vertreter der Stadt Wien sowie der Pfarrer der Donaustadtkirche und der Direktor der DDSG eine Ansprache. Der Neujahrswunsch und das "Prosit Neujahr" waren dem Hafenkapitän vorbehalten. Dieser eröffnete anschließend mit der Gattin eines der prominenten Herrn den "Neujahrs- Schifferball" unter den Klängen des Donauwalzers. Die Gemütlichkeit und der Frohsinn steigerten sich immer mehr, das Tanzbein wurde geschwungen und so manchen schweren Kopf gab es danach am Neujahrstag. Aber nicht lange, denn der kalte Neujahrswind blies den Schädel schnell wieder klar. Ganz geheim hatte der Pfarrer unter Mithilfe des Hafenkapitäns in der Hafenkanzlei einen kleinen Altar aufgebaut. Um 11.00 Uhr wurde eine Messe zelebriert, an der nicht nur Schiffsleute teilnahmen. Auch zahlreiche Wiener, die einen Neujahrsausflug in den Winterhafen gemacht hatten. Anschließend gab es ein kurzes Blaskonzert. Das wirklich kurz ausfiel, da die Kälte nicht nur die Musiker sondern auch die Zuhörer in die gut geheizten Messeräume trieb. Der Nachmittag verlief mit den Wiener Gästen noch äußerst gemütlich. Leider mussten fast alle Gäste, die von weit her gekommen waren, den um 18.00 Uhr zur Reichsbrücke abgehenden Zug der Donauuferbahn benutzen. Dies war nämlich die letzte Möglichkeit mit einem Fahrzeug in die Stadt zu gelangen, um nicht in der starken Kälte 9 km zu Fuß marschieren zu müssen. So waren Schiffer- Silvester und Schiffer - Weihnacht auch schon wieder zu Ende.
Der Linzer Winterhafen vor dem ersten Weltkrieg. (Lichtbilder - Archiv der Stadt Linz)
Aber auch in der "Kronen Zeitung" vom 24. Dezember 1967 erschien eine Reportage über eine Bordweihnacht. Der bekannte Journalist und wirkliche Freund der Donau Ernst TROST schrieb über einen Schleppsteuermann, der wohl auf der ganzen Donau bekannt war. Auch ich hatte damals das Glück "Ferry- Bacsi" persönlich kennen zu lernen. Was bei der Reportage noch auffiel war der Umstand, dass damals noch DDSG Tank- und Warenboote mit Schleppsteuermann und Schleppmatrosen besetzt waren.
DONAU - WEIHNACHT
Ein sanfter Stoß lässt den Christbaum erbeben und die Kerzenflammen in unruhige Zuckungen verfallen. Der bräunlichrote Wein in den Gläsern verschiebt seinen Spiegel und für einen Augenblick spürt man, dass die vorweggenommene Stille und Heilige Nacht festen Grund entbehrt. Wir sitzen in einer warmen, gemütlichen Stube mit Spitzendeckerln und allem, was so langläufig zur Gemütlichkeit dazugehört. Aber wir befinden uns auf dem Wasser - nicht auf hoher See, sondern bescheiden auf der etwas niedrigeren Donau. Und die unweihnachtliche Bewegung wurde von den Wellen eines auslaufenden russischen Schleppzuges veranlasst. Viele Menschen können den Weihnachtsabend nicht in einem warmen Hein verbringen. Sie hüten Tankstellen, Bahnhöfe, Postämter, Wachstuben oder Hochöfen. Man hat von ihnen immer wieder geschrieben, selten jedoch von den Familien, die den Heiligen Abend auf dem Wasser feiern.
"Mir habn ja scho a Wohnung", sagt Steuermann Ferencz KOZMA, "aber wir bleiben heuer doch zu Haus". Mit "zu Haus" meint Ferry - Bacsi, wie ihn seine Freunde an der Donau nennen, den Tankkahn 9761 der Donau Dampfschifffahrts - Gesellschaft. Er meint ebenfalls damit das Häuschen auf Deck mit dem qualmenden Schornstein, dem Hühnerstall vor der Tür, ein wenig Schnee auf den Planken und einer gesunden Mischung von Zigeunerromantik fahrenden Volks und biederem Familiensinn braver Bürger. Sein Kahn liegt bei der Reichsbrücke vertäut. Vor, neben und hinter ihm eine lange Reihe anderer Kähne. Über Weihnachten werden etwa 100 Schiffe die verschiedenen Wiener Liegeplätze besetzt halten. In vielen Wohnräumen werden Lichter leuchten und Familien um einen Christbaum geschart sein. "Weihnachten auf der Donau ist etwas Besonderes", sagt die Frau des Steuermanns Walter PÖSCHL aus Spitz, die mit ihrer Kleinen beim Ferry- Bacsi den Christbaum inspiziert. Auch Ferencz kann sich Weihnachten anders gar nicht vorstellen. 56 Jahre ist er alt und seit dem Krieg bei der DDSG. Geboren wurde er als Ungar in der Slowakei, wo er Untertan des ungarischen Königs Franz Joseph war. In der Volksschule wurde ihm Slowakisch eingebläut, weil das Dorf an der Donau zum neuen tschechoslowakischen Staat gekommen war. 1943 holte ihn dann die ungarische Armee, 1946 warb ihn die von den Sowjets kontrollierte DDSG an und heute ist er Österreicher - und ein echter Donaumensch. Ferrys Deutsch ist eine Art Ungarisch, das man als Österreicher jedoch mühelos versteht. Seine Weihnachtserinnerungen reichen vom Schwarzen Meer bis Regensburg. Er denkt an die eisige Nacht vor einigen Jahren in Komarom. Als der Eisstoß andere Kähne auf Kozmas Tanker zutrieb und die Ankerkette immer straffer wurde so als würde sie jeden Moment reißen. Dann erzählt er von Winterstürmen, die die Schiffe plötzlich mit einem Eispanzer umhüllten, der sie zu sprengen und zu versenken drohte. Von dem langen Winter unter der Kataraktenstrecke bei Eisernen Tor, wo Ferry- Bacsi einmal von Dezember bis Ende April im "Winterstand" war. Sein Schleppzug lag dort so lange fest, weil die Donau nicht befahrbar war.
Auch heuer müssen rund 60 österreichische Donauschiffer mit etwa 20 Familienangehörigen ihre Christbaumkerzen zwischen Rumänien und Jugoslawien entzünden. Die "BREGENZ" mit sechs Tankkähnen hat im rumänischen Orsova Anker geworfen und die "KAMMEGG" mit neuen mit Erz und Kohle beladenen Güterkähnen im jugoslawischen Kladovo. Den Schleppzügen verwehrt das Eistreiben in der Kazanenge die Heimkehr. Wie lange sie da unten bleiben, hängt vom Thermometer ab. Ihr Weihnachtsfest wird sicher kärglicher und langweiliger sein als das all der Donauschiffer in den Wiener Häfen. Aber wer auf der Donau lebt, der ist auf solch ein Geschick vorbereitet.
In dem ehemaligen Eisenbahnwaggon, der in eine Kantine verwandelt wurde, im Ölhafen Lobau, leert Steuermann HAMI sein Bier. Vor einigen 100 Jahren haben die Türken ihre Kriegsflotte auf der Donau gegen Österreich operieren lassen. Heute befahren 4 türkische Steuermänner für die DDSG den Strom. Einer von ihnen ist HAMI. Er hat in der türkischen Kriegsmarine gedient, dann in der Handelsmarine und nun arbeitet er schon vier Jahre lang für die DDSG. "Is gut hier". Sein Gott heißt zwar Allah, aber HAMI hat nichts dagegen mit österreichischen Kameraden christlichen Festtagsbräuchen zu huldigen. Er weiß noch nicht, wo er am Heiligen Abend Station machen kann. "Ich habe jetzt gerade entladen. Vielleicht bin ich in Linz oder sonst wo..." Die Tür geht auf und herein schiebt sich eine Pelzmütze. Dann folgen eine dicke olivgrüne Windjacke und ein Paar schwere Pelzstiefel. Einen Augenblick fühlt man sich in ferne Besatzungszeiten zurückversetzt. Aber der Mann redet nicht russisch sondern slowakisch und gehört zu einer Preßburger Tankerbesatzung. Ein ungarischer Matrose im sorgfältigem Stadtanzug bestellt einen Barack. Die anderen kippen ihren Slibowitz und hoffen darauf, dass sie noch rechtzeitig nach Preßburg oder Budapest gelangen werden. Obwohl dort der rote Stern dem Weihnachtsstern als Konkurrenz erwachsen ist. In der Lobau werden die Ölpumpen auch am Heiligen Abend nicht verschnaufen können. Dort wird russisches Rohöl ohne Pause aus den Magazinen von 30 Tankkähnen gesaugt.
Mehr noch als zu anderen Jahreszeiten drängt es jedoch die ausländischen Matrosen aus der Lobau zum Mexikoplatz. Hier an der Reichsbrücke hat sich so etwas wie ein Christkindlmarkt des Ostens entwickelt. Die Läden heißen Basar oder "Dunaj", sie führen einfach alles und noch ein wenig mehr. Sie sind billig und nehmen auch weiche Währungen wie Forint, Kronen oder Lei - allerdings zu harten Kursen. Im Lebensmittelgeschäft werden aus großen Kaffeesäcken kleine Päckchen abgefüllt. Echter Bohnenkaffee ist zwischen Preßburg und Izmail noch immer eines der begehrenswertesten Mitbringsel. Die Bedienung rechnet rumänisch, daneben wird jugoslawisch Auskunft erteilt. Man spricht am Mexikoplatz auch ungarisch, russisch und tschechisch. Ja, vor Weihnachten musste man in dieser Gegend manchesmal die Ohren spitzen, wollte man überhaupt ein deutsches Wort vernehmen. Die Donau ist eben international. Das geschäftige Treiben wird jedoch von den mächtigen Türmen der Kaiser- Franz - Joseph - Jubiläumskirche überschattet. In der Heiligen Nacht öffnet sich die Kirchentür auch für viele Schiffersleute, die ihre Kähne verlassen und zur Mitternachtsmette pilgern. In der Kirche erinnert eine Tafel zwar an die Opfer eines Schiffsunglücks auf der Donau, aber sonst sind keine Symbole der Stromfahrt zu entdecken. Dennoch fühlen sich die Schiffer ein wenig zu dieser Kirche zugehörig. Sie bringen die Kinder, die auf den Kähnen geboren wurden, zur Taufe hierher. In der stillsten Nacht des Jahres machen sich viele zum Kirchgang auf. Ein Weg zur Mette, nicht über verschneite Waldpfade oder durch stille Gässchen, sondern über schwankende und glitschige Stege. Durch ein Hafengelände in dem ein paar Scheinwerfer auf Lagerhäuser strahlen und dann die Donau entlang. Fülle und Inhalt des Lebens der Donaubewohner, die für eine kurze Stunde auf festem Grund dafür danken, dass sie ein Jahr auf dem Wasser gut überstanden haben.
Weihnachten an Bord. Ferry- Bacsi und Steuermann Walter PÖSCHL mit Frau und Kind. Weihnachtseinkäufe. Ferry- Bacsi geht an Bord Ein Blick über den Wiener Donauhafen. Von Weihnachtsstimmung keine Spur. Türke fährt für Österreich. Steuermann HAMI
Aus der Arbeiter- Zeitung (AZ) März 1976
Boot zerriss an "Schönbrunn", DDSG- Kapitän frei gesprochen
Schreckensschreie und Zurufe aus vorbeifahrenden Motorbooten, dass "etwas passiert sei", alarmierten am 18. August 1975 den 52-Jährigen DDSG- Kapitän Alfons W. gerade in jenem Moment, als das von ihm kommandierte Ausflugschiff "Schönbrunn" von der Anlegestelle Dürnstein abfuhr. Der Kapitän veranlasste daraufhin sofortigen Maschinenstopp und schaute nach - was er sah, ließ ihm trotz des heißen Augusttages fast das Blut in den Adern gefrieren. Auf dem Wasser trieben Gummifetzen und vier Menschen, unter ihnen drei Kinder, die in den Wellen verzweifelt um ihr Leben kämpften. Sie alle, drei Mädchen im Alter von 10, 12 und 14 Jahren und ihr Vater Franz E., der bei dem Unfall schwer verletzt worden war - er hatte einen Bruch des Halswirbels davongetragen - konnten glücklicherweise gerettet werden. Was zuvor passiert war, konnten sie selbst nur vage beschreiben. Franz E. war an jenem Tag mit einem Schlauchboot zu einem Donauausflug gestartet und hatte es in einer Entfernung von etwa zehn Metern an der zu diesem Zeitpunkt noch stehenden "Schönbrunn" vorbeizulenken versucht, als die heftige Strömung es direkt vor dem Bug des Ausflugsschiffes trieb.
Weil das Schiff just in jenem Moment ablegte, konnte der Kapitän Alfons W., auf der Kommandobrücke stehend, auch nichts von diesem Vorfall bemerken. Zu dieser Ansicht kam auch der Richter im Kreisgericht Krems. Er sprach, den von Rechtsanwalt Dr. Arthur B. verteidigten Kapitän von der gegen ihn wegen "Gefährdung der Sicherheit des Lebens" erhobenen Anklage frei.
DS "Schönbrunn" in der Wachau unterwegs (Sammlung Raffy)
Auch Kapitäne mussten für Werbung der Gesellschaft herhalten. Das linke Bild (Sammlung Feher) zeigt den letzten DDSG- Kapitän der "Schönbrunn" Hermann B., den man für eine Werbebildreihe ein hübsches Mädchen zur Seite gestellt hatte. Am rechten Bild ist Kapitän Alfred W. auf einem Foto der Tageszeitung "Kurier", das beim Flottentag 1975 aufgenommen wurde, zu sehen. Wahrscheinlich handelt es sich dabei ebenfalls um die "Schönbrunn". Der Kapitän, in seiner schmucken Sommeruniform zeigt dem interessierten Nachwuchs was es da alles auf der Donau zu sehen gibt. Etwas erschrocken blickt nur der Herr Steuermann drein.
In den 1970 er Jahren erschien von Miriam Berger diese Reportage im Magazin der AZ
Kapitän ist der Familienberuf
Sein Fernweh reicht nur bis zum Schwarzem Meer, die Wellen, die die Welt bedeuten, sind sanft und meistens ungefährlich. Und doch ist er Kapitän aus Bestimmung, ein Mann mit echtem Seemannsblut in den Adern. Ein Wiener, der auf dem Wasser daheim ist, und das schon seit drei Generationen: ein Donauschiffkapitän.
Franz SZEKELY, 1931 in Wien geboren, erzählt: "Ja, wir sind eine alte Schifferfamilie. Der Großvater und der Vater, alle waren sie Kapitäne bei der Donau - Dampfschifffahrts- Gesellschaft". Die Begeisterung für die Donau und ihre Schiffe brach beim kleinen Franz schon mit zehn Jahren durch. Während andere Burschen seines Alters von schnellen Autos und Flugzeugen träumten, schwärmte er nur für die Donauschiffe. "Es war mein Jugendtraum". Sein Traum sollte sich erfüllen.
Doch zuerst musste er die Schule beenden. Sofort nach der Matura, mit zwanzig Jahren, ging Franz auf "See". Sein Vater war inzwischen gestorben, der Sohn setzte nun das Erbe fort. Er begann als Matrose. "Da waren damals noch die alten Dampfschiffe". Kapitän SZEKELY schmunzelt: "Die sind inzwischen fast alle nach Griechenland verkauft und eingestampft". Es waren hauptsächlich kleinere Zugschiffe wie "Kastor" und "Pollux", oder der legendäre "Donaubus". Zeugen einer Vergangenheit.
Die Laufbahn des Matrosen SZEKELY ging steil nach oben. Er wurde Zahlmeister und machte mit 25- Jahren das Kapitänspatent. Noch hatte er sein Ziel nicht ganz erreicht. "Zuerst bin ich als II. Kapitän gefahren", erinnert er sich. "Erst im Jahre 1961, also mit 30 Jahren war ich dann I. Kapitän". Sein erstes eigenes Schiff war die "Budapest". Nach zwei Jahren wurde er Kapitän am "Franz Schubert". "Mit dem Schiff ist uns einmal etwas passiert", der Kapitän denkt zurück an 1957. "Der "Schubert" ist gerade bei Obertulln gefahren. Es war eine gespenstische Nacht. Dichter Nebel, man hat nichts gesehen. Da ist plötzlich ein anderes Schiff aus dem Nebel aufgetaucht. Ganz nah war es schon. Wir konnten nicht mehr ausweichen" .Der Zusammenstoß mit einem ungarischen Schiff erregte 1967 einiges Aufsehen, obwohl es nur Blechschaden gab. Doch die Welt des Franz SZEKELY, die Schifffahrt auf der Donau, tauchte so richtig an den Vordergrund der Öffentlichkeit. "I glaub, die Leut wissen oft gar nix von unseren Schiffen, wie schön es ist, auf der Donau zu fahren".
Seit 1970 ist er Kapitän der "Theodor Körner", dem größten und modernsten Passagierschiff der DDSG. Er dirigiert sein Schiff donauauf, donauab nach Passau, Budapest bis zum Schwarzen Meer. Vor einer Woche weckten der Kapitän und sein Schiff sowie die gesamte Donauschifffahrt wieder das Interesse der Öffentlichkeit. Ein Journalist wollte unbedingt auf dem "Theodor Körner" heiraten. Nach einigen Schwierigkeiten wurde er auf dem Schiff getraut. "Wir mussten rauf nach Nußdorf fahren", sagt der Kapitän. "Der Bräutigam war aus dem 19.Bezirk. Die Hochzeit musste ordnungsgemäß dort stattfinden. Der Standesbeamte kam dann aufs Schiff". Und wenn einer nicht in einem Bezirk wohnt, der an der Donau liegt? Ist dann eine Schiffstrauung für ihn ausgeschlossen? "Vielleicht gibt es da auch Mittel und Wege", lächelt der Kapitän. Weitere Hochzeiten auf seinem Schiff würden ihn nicht stören. "Hochzeitsgesellschaften haben wir ja genug". Auch sonst ist das moderne Passagierschiff, das Platz für 80 Gäste bietet, sehr beliebt. Diverse Fahrten sind meist ausgebucht.
Und wird die Tradition der Familie SZEKELY fortgesetzt? Hat der Kapitän einen Sohn? "Ja", sagt er. "Aber der interessiert sich nicht für... doch, schon für Schiffe, aber nicht für diese. Er will Raumfahrer werden". Vielleicht ändert der Sohn seine Meinung noch? "Schauen sie", sagt der Kapitän. "Die Zeit geht eben weiter". Er schaut aus dem Schiffsfenster. "Da hinten", erklärt er und deutet die Donau entlang. "Da steht die "Schönbrunn. Das ist das letzte Dampfschiff"...
Großvater Franz FITZ Vater Hyppollit fuhr auf der "Sophie", die später auf "Babenberg" umbenannt wurde
MS "Theodor Körner"
Anlässlich der Indienststellung des damals neuesten Fahrgastschiffes gab die DDSG eine kleine, bebilderte Broschüre in drei Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch) heraus, in dem der Stolz der Firma ins rechte Licht gerückt wird.
MS "Theodor Körner", das neue von der Ersten Donau - Dampfschifffahrtsgesellschaft in Dienst gestellte Passagierschiff mit Schifffsstation am Praterkai. Es ist 87,10 m lang, 16,66 m breit und befördert im Nahverkehr 1 300, im Fernverkehr 111 Personen in komfortablen Luxuskabinen. Steuerhaus, Nockhäuser und Schornstein sind hydraulisch versenkbar. 41 Mann Besatzung betreuen das Schiff und seine Fahrgäste.
Die Erste Donau- Dampfschifffahrtsgesellschaft (DDSG) kann sich mit Recht als eine der ältesten Reedereien der Welt bezeichnen. Seit ihrer Gründung im Jahr 1829 zählte die Beförderung von Passagieren zu den wichtigsten Geschäftszweigen des Unternehmens. Bereits 1832 wurden regelmäßige Passagierdienste aufgenommen, die nach kurzer Zeit die gesamte Donau einschließlich aller schiffbaren Nebenflüssen umfassten.
Während im vergangenen Jahrhundert die Passagierschiffe der DDSG das einzige bequeme und regelmäßige Verkehrsmittel im mittleren und unteren Donauraum darstellten, somit einem echten Verkehrsbedürfnis des Publikums entsprachen, hat sich die Bedeutung der Passagierschifffahrt seit etwa 1900 gewandelt. Die vehemente Entwicklung des Eisenbahn- und Straßenverkehr brachte es mit sich, dass die Donau immer mehr zur Reiseroute der Touristen wurde.
Diese Entwicklung hat in der Zeit nach dem II. Weltkrieg ihren Endpunkt erreicht. Die 136- jährige Erfahrung des Unternehmens im Passagierverkehr steht nunmehr zur Gänze im Dienste des Fremdenverkehrs. Auf diesem Gebiet ist das Donauschiff keine Konkurrenz der Eisenbahn, des Kraftwagen oder des Flugzeugs, sondern deren Ergänzung. Der Vorteil, den es zu bieten hat, heißt nicht "Schnelligkeit" sondern "Beschaulichkeit" und die mehr aufgewendete Zeit wird zugleich zu einer Zeit der Erholung.
Die überaus günstige Entwicklung des Personenverkehrs seit 1945 vermochte der durch Kriegsereignisse stark dezimierte Schiffspark von 7 großen Passagierschiffen und drei kleineren Motorbooten nicht mehr zu genügen. Obwohl nur die Strecke Passau - Wien befahren wurde. Besonders schmerzlich musste das Fehlen eines geeigneten Fahrzeuges empfunden werden, das sich für den Verkehr unterhalb von Wien bis zur Donaumündung eignet. Als es endlich soweit war und die DDSG daran gehen konnte, ein neues Passagierschiff in Auftrag zu geben, musste das Planungskonzept einerseits die Steigerung der Kapazität der vorhandenen Flotte im Liniendienst zwischen Passau und Wien berücksichtigen, anderseits die Voraussetzungen für den Langstreckendienst durch Einplanung entsprechender Kabinenplätze schaffen. Der Einsatz im Kurzstreckenverkehr erforderte im Hinblick auf die schwierigen Fahrwasserverhältnisse der oberen Donau darüber hinaus beste Manövrierfähigkeit.
Die DDSG kann mit Genugtuung feststellen, dass das neue Passagierschiff allen gestellten Forderungen vollauf entspricht. So lässt die umfassende, auf eine mehr als ein Jahrhundert alte Tradition gestützte Erfahrung der Gesellschaft auch heute die Fahrt auf der Donau zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Mit einer Länge von 87,10 m und einer Gesamtbreite von 16,66 m ist das neue Fahrgastschiff zum größten der Donau avanciert. Der Antrieb erfolgt durch 2 VS- Propeller mit einer PS - Leistung von 2x 1050 bei einem Durchmesser von 2,4 m. Es befördert im Liniendienst ca. 1300 Passagiere und besitzt 41 komfortable Kabinen für 111 Personen. Besatzung 41 Mann. Geschwindigkeit max. 25 km/h.
Die neuartige Mischbauweise des Schiffskörpers aus Stahl und Aluminium, das hydraulisch versenkbare Steuerhaus, Nockhäuser, Schornstein und Mast, die Radaranlage und Echolot sind sensationelle Neukonstruktionen, die der geglückten Zusammenarbeit der technischen Abteilung der DDSG mit dem technischen Team der Schiffswerft Korneuburg AG zu danken ist. Schallisolationen lassen die bisher unvermeidlichen Motorengeräusche vermissen und Klimaanlagen sorgen auch bei extremer Hitze für konstante Temperaturen. Für Unterhaltung sorgen drei Musikprogramme sowie Fernsehempfang im Zwischendeck. 112 Räume beherbergt diese kleine schwimmende Stadt in drei Decks, über welchen sich ein viertes Sonnendeck platziert. Eine kühn geschwungene Treppe führt zum Oberdeck ins Cafe mit 50 Sitzplätzen, Bar und Wintergärtchen. Der durch drei Geschosse führende Speiseaufzug rationalisiert die Abwicklung des gastronomischen Betriebs. Neben einigen Passagierkabinen sind im Oberdeck noch die Kabinen der Kammerfrauen, Ambulanz, Funkraum und das Büfett mit Espresso untergebracht. Im Hauptdeck dominiert der Speisesaal mit 74 Sitzplätzen, die mit Buntlicht angestrahlte Tanzfläche, Pantry und Garderobe. In der Empfangshalle amtiert der für die Fahrkartenausgabe und die Betreuung der Kabinengäste zuständige Rechnungsleger und der Rezeptionist, dem die Musikprogrammgestaltung und Gepäckaufbewahrung obliegt. Mittschiffs platzieren sich sich Kapitänskabine, Wohnräume der Schiffsoffiziere mit Offiziersmesse, eine Anzahl Passagierkabinen und die öffentliche WC - Anlage.
Aus der Halle des Hauptdecks führt eine Treppe in den Speisesaal des Zwischendecks mit 85 Sitzplätzen und im Bugteil des Schiffs in die Taverne mit 36 Sitzplätzen. Letztere zwei Gasträume wurden angesichts der vorüber gleitenden Landschaft, der Felder und Wälder, die von den Ufern herübergrüßen, bewusst im rustikalen Stil gehalten. Balkendecken mit eingegliederten Zeltdächern, die indirektes Licht und an schwülen Tagen gekühlte Frischluft verteilen, handgeschmiedete Eisengitter mit beziehungsvollen Emblemen zwischen Speisesaal und Taverne, Tischlaternen vor den Fenstern, hinter denen die meterhohen Wellen des Bugwassers ihr faszinierendes Spiel treiben, stehen im reizvollen Kontrast zu den betont sachlich - eleganten Gasträumen des Haupt- und Oberdecks.
Hydraulische Fußansätze der Tischfüße fangen die ständigen Bewegung des Fußbodens flexibel ab und das in die Zwischenwand eingebaute, auf einer Drehscheibe stehende Fernsehgerät erlaubt eine abwechselnde Benützung nach beiden Seiten hin. Eine geräumige Nische nimmt die Garderobe auf, flankiert von der Getränkepantry mit Tiefkühltruhen einerseits und der Speisenpantry mit Geschirrspülmaschine und Abfallschlucker andererseits. Der modernst ausgestatteten Küche stehen zwei Kühlräume und ein Tiefkühlhaus zur Verfügung. Dem Gastronomen und seinem Personal ein Büro und drei Kabinen. Mittschiffs der Maschinenraum mit den senkrecht gelagerten VS- Propeller, sowie der automatischen Trinkwasseraufbereitungsanlage, die stündlich 10 Kubikmeter Flusswasser in ozonentkeimtes Trinkwasser umwandelt. Weiters die Mannschaftskabinen mit WC und Brausebad und im Heckteil 10 weitere Passagierkabinen.
Das Schwergewicht der architektonischen Aufgabe lag in der Koordinierung technischer, nautischer und betriebswirtschaftlicher Erfordernisse. Einsatz hochwertiger Werkstoffe bei Vermeidung modischer Tendenzen. Das Streben nach klaren zeitlosen Formen in Verbindung mit gekonnt gewählten Farben, denen das Fluidum österreichischen Charme und Gastfreundschaft anhaftet. Die ökonomische Raumnutzung bis zur letzten Konsequenz bei Wahrung der "Großräumigkeit" liefert in den Passagierkabinen ein bestechendes Beispiel. Der Fahrgast findet in den nur 2,2 m x 4 m großen Aufenthaltsräumen für drei Personen all den Komfort, den er von einem Luxushotel erwarten darf: Eigener Duschraum mit WC, 2 bzw. 3 Sitz und Schlafgelegenheiten, Klapptisch mit versenkbaren Hockern, Einbauschrank, Waschnische, Klima - und Rufanlage. Wohltuend aufeinander abgestimmt sind die Farben der Vorhänge, Polsterbezüge, Bodenbeläge. Ausgewählter Bildschmuck und drei Möglichkeiten Musik zu empfangen soll dem reisenden Publikum als Gastgeschenk zusätzlich mitgegeben werden.
Traditionsgemäß wurde die Außenhaut des Schiffes in einem strahlenden Weiß gehalten. Die rotweißroten Streifen und die anthrazitfarbene Scheuerleiste gliedern den Schiffskörper in drei gut proportionierte Etagen und lassen ihn auch optisch lang gestreckter erscheinen, womit ein Novum in der Ästhetik des Schiffbaus dokumentiert wird.
Der Stapellauf des "Theodor Körner" in der Werft Korneuburg war auch ein gesellschaftliches Ereignis und wurde dementsprechend gefeiert. (Bilder Sammlung Schneider)
Der Stapellauf erfolgte vom dem an der Donau gelegenen "Stapel", den es ja schon lange nicht mehr gibt. (Sammlung Schneider). Einige Bilder von der langjährigen Stammbesatzung wie Kapitän, Steuermann und Bootsmann. (Sammlung Fabsits)
Noch einige Bilder vom Stapellauf aus der Sammlung Schauer. Das letzte Bild zeigt das Schiff an der Linzer Anlegestelle.
Die ersten drei Bilder zeigen den "Körner" 2007 vor Klosterneuburg, damals noch mit Originalkamin für "Favorit"- Reisen unterwegs. 2010 beim Wendemanöver in Nußdorf mit neu lackiertem pechschwarzen Kamin zur Fahrt nach Budapest unterwegs.
Am Samstag, dem 14. Februar 2009 erschien in den "OÖ Nachrichten" die folgende Reportage:
"Stadt Wien" folgt Schwesternschiff donauabwärts nach Budapest
Und wieder ist die österreichische Donau um eines ihrer Prunkstücke aus der ehemaligen DDSG- Flotte ärmer geworden. Die "Stadt Wien" übersiedelte donauabwärts nach Budapest. Vierzehn Jahre ist es her, dass die verstaatlichte Donau - Dampfschifffahrts - Gesellschaft unterging. Gleichzeitig wechselten die Prunkstücke der weißen Flotte ihren Besitzer. Eines der ältesten Schiffe, der Schaufelraddampfer "Stadt Wien" wurde vom Tullner Bürgermeister, Willi Stift, erworben, großzügig renoviert und in ein fahrendes Restaurant- und Ausflugsschiff ungewandelt. Noch lange bevor Linz ein Restaurations- Schiff bekam, ging die "Stadt Wien" für einige Wochen in der Landeshauptstadt vor Anker. Der Protest eines Landesrates in Niederösterreich ( er bemängelte, dass das Land die sanfte Modernisierung gefördert hatte, das Seitenradschiff dann aber nicht in Niederösterreich die Donau befahren würde) war schuld daran, dass aus einem dauerhaften Linz- Gastspiel nichts wurde. Bis 2008 war das Nostalgieschiff an Wochenenden zwischen Tulln und Melk unterwegs. Einzigartiges Flair, dieselelektrischer Antrieb, Original- Sulzer - Motoren und - wie erwähnt - Schaufelradantrieb, zeichnet die "Stadt Wien" aus.
Offiziell heißt es, dass das Schiff auf mehrere Jahre nach Ungarn vermietet sei, informell wird gemunkelt, dass das Schiff nicht mehr nach Österreich zurückkehren könnte. Die Überstellungsfahrt nach Budapest hätte übrigens schon Anfang Jänner stattfinden sollen, aber die neue ungarische Besatzung havarierte in der Silvesternacht. Während des Schaufelrad repariert wurde, kam die Eissperre. In Budapest wartet auf die "Stadt Wien" schon das Schwesternschiff "Stadt Passau". Ebenfalls Baujahr 1939, dümpelte dieses nach dem Aus der DDSG von 1995 bis 2001 in Passau - Heining vor sich hin. Im August 2001 wurde es nach Budapest verkauft. Noch bevor es dort in Betrieb genommen werden konnte, kam der 42- jährige neue Eigentümer unter mysteriösen Umständen ums Leben. Er wurde 2003 erschossen an Bord des Schiffes aufgefunden. Danach lag das Schiff drei Jahre ungenützt in Budapest vor Anker. 2006 fand es einen neuen Besitzer. Die Obudai Hajogyari Sziget, Green Hill Rendezvenypark in Budapest. Nach großzügiger Runderneuerung fährt das Schiff seit April 2007 unter dem neuen Namen "GROF SZECHENY" auf der ungarischen Donau. Jetzt kommt auch die "Stadt Wien" zu diesem Unternehmen. Vorläufig aber unter dem derzeitigen Namen.
Die "Stadt Wien", hier noch im Besitz des Tullner Bürgermeisters, bei einer Wachau- Sonderfahrt im Mai 2006
MFS "Stadt Wien" ist wieder zurück
Lang dauerte es nicht bis das ehemalige DDSG- Fahrgastschiff "Stadt Wien" wieder nach Österreich zurückkehrte. Der Verkauf an den ungarischen Privatreeder stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Bereits am Tag der Überstellung nach Budapest kam es zu einer Havarie, wo die Schaufelräder stark beschädigt wurden. Derzeit befindet sich das Schiff wieder im Besitz des Tullner Bürgermeisters und führt weiterhin Nostalgiefahrten durch. Untenstehend eine kleine Bilderauswahl aus der Sammlung Neuweg als das Schiff noch in DDSG - Diensten stand.
Eine besonders schöne Aufnahme der Deckmannschaft, die sich um den langjährigen, leider schon verstorbenen Bootsmann N. gruppiert hat. Nur der Steuermann schaut etwas erschrocken drein.
Eine Fahrt mit der "Stadt Wien"
Der ehemalige Treppelweg wird von der Statue des Imperators Caesar bewacht. In Tulln ist Egon Schiele allgegenwärtig. "Stadt Wien" an der Donaulände, auch der Herr Kapitän beginnt mit seinen Vorbereitungen zur Abfahrt.
Am Samstag, dem 05. Juli 2011 beschlossen wir eine Reise mit dem ehemaligen DDSG - Radschiff "Stadt Wien" durchzuführen. Kapitän i. R. Gustav sowie ich, waren in unseren DDSG- Zeiten niemals auf dem Linienschiff gefahren. Jetzt ergab sich eine gute Gelegenheit dieses jetzt nachzuholen. Die Suche nach weiteren Mitreisenden unterblieb aber, da dem Schiff kein guter Ruf vorauseilte. Von DDSG- Veteranen wurde die "Stadt Wien" als nicht besonders bequem und sicher bezeichnet. Was mit dieser Fahrt widerlegt wurde..
Jedem Alt- DDSG -ler musste schon am Tullner Treppelweg das Herz bluten. Dort hatte man den dort einstmals fest ausgehefteten eisernen DDSG - Ponton vor dem schmucken Agentiehäuschen entfernt. Jetzt machte diese, einstmals von den DDSG - Linienschiffen täglich angefahrene Örtlichkeit, einen ziemlich erbärmlichen Eindruck. Den auch das schmucke Schiff da draußen vor der Donaubühne, nicht wirklich wettmachen konnte. Obwohl die "Stadt Wien" von draußen einen ordentlichen Eindruck machte. Da schon die ersten Leute weit vor der offiziellen Einstiegszeit zum Einstieg strömten, gingen auch wir gleich an Bord. Die Karten wurden Achtern, gleich neben der Einstiegstür im Schiffsinneren von einer Mitarbeiterin des Reeders verkauft, die etwas überfordert schien. Meine Gattin suchte uns den Platz im Restaurant draußen am hinteren Achterdeck, fast ganz an der Stur aus. Eine kluge Entscheidung, denn von dort hatten wir nach allen Richtungen freie Sicht und die ganze Zeit über strahlende Sonne. Außerdem wurden wir von den Kellnern zu Tierschutzbeauftragten ernannt. Neben dem Tisch in einem großen Blumengefäß brütete nämlich eine Wildente. Die dann während der Fahrt von vielen Leuten bewundert wurde. Außerdem gab es einen Alleinunterhalter, dem deutlich weniger Aufmerksamkeit geschenkt wurde.
Fast pünktlich wurde abgelegt und die Fahrt ging mit Ente und Alleinunterhalter zu Berg. Wobei die Ente wiederum viel mehr Interesse hervorrief als der Musiker. Hervorzuheben war die Spontaniität sowie das rasche Handeln der Kellnerschaft. Kaum hatte man etwas bestellt, stand das Gewünschte auch schon auf dem Tisch. So fuhren wir vorerst noch hochzufrieden durch die wunderschöne Donaulandschaft. Begleitet von den Musikstücken des Alleinunterhalters, der sich wirklich Mühe gab. Aber vorerst gelang es ihm noch nicht richtige Stimmung hineinzubringen. Kurz vor Krems hatte auch die Ente genug. Sie flog fort und wurde nie wieder gesehen. Dass dies mit der gespielten Musik im Zusammenhang stand, konnte nicht bewiesen werden. Unangenehm fiel auch das Fehlen eines Souvenirladens auf. Keine Erinnerungsstücke vom Schiff standen zum Verkauf. In den Vitrinen machte einzig allein der Reeder für sein Modegeschäft Werbung. Dabei wäre sicherlich Interesse an tolle Kopfbedeckungen der "Wien" oder Bücher über die Donau vorhanden gewesen. Sehr ungünstig wirkte sich auch das Sperren des Backbordganges aus, der noch dazu mit einem Verbotsschild abgesichert war Man musste also den rechten Gang benutzen, was zeitweise schon nervend war. Aber okay, das Schiff fuhr lange Zeit nicht, da konnte man schon darüber hinwegsehen. Nicht darüber hinwegsehen konnte man aber auch nicht über den persönlichen Kontakt Mannschaft - Passagiere. Was heißt hier überhaupt Kontakt - es gab einfach keinen! Einzig und allein der leitende Ing., unser guter alter Bekannter Günther alias "Watzlav" mengte sich unter die Fahrgäste. Zuerst im schwarzen "Rossini- Leiberl", anschließend in seiner schmucken Maschinenbetriebsleiteruniform. Wobei er nach Anlegung der roten Schulterklappen von vielen Leuten angesprochen wurde, um bereitwillig sowie kompetent Auskunft zu geben. Auch er ärgerte sich darüber, dass sogar während der Schleusenfahrt alle Ausgangstüren fest verschlossen waren. Frau Brigitte kämpfte noch immer mit den Tücken des Mikrophons und der Musiker sang zwar recht laut, schaute aber noch immer sehr streng drein.
Piratenfigur im hinteren Speisesaal. Der Herr Kapitän hat gut lachen: Schiff souverän nach Dürnstein gebracht. Warum so skeptisch Herr DDSG - Kapitän i. R. ?
Doch die herrliche Landschaft, das schöne Wetter, die Restauration, sowie unser guter Sitzplatz entschädigte uns für vieles. Besonders das Restaurant. Das Essen war ausgezeichnet, fast schon zuviel und preiswert. Die Bedienung setzte noch eines drauf indem sie unsere Plätze reservierten, als wir in Dürnstein von Bord gingen. So trugen sie sehr zur Zufriedenheit der Passagiere bei.
Leider blieb in Dürnstein nur wenig Zeit etwas zu Unternehmen. Diese wurde dazu genutzt um im Ort Mitbringsel zu erwerben und sich ein wenig die Beine zu vertreten. Gustav kam auch endlich dazu den weltberühmten grünen Veltliner zu verkosten. Aber es musste alles schnell gehen, denn das Schiff wartete nicht. Obwohl man doch etwas später in Dürnstein ablegte, da einige Fahrgäste wohl die Zeit übersehen hatten. Auch Herr Herwig, einer der Kapitäne der "Stadt Wien" stieg in Dürnstein zu. Auf der Talfahrt nach Krems zog dann etwas wie Professionalismus an Bord ein. Nicht nur, dass er anscheinend das knarrende Mikrophon repariert hatte, machte er eine kompetente Durchsage und führte danach einige Passagiere durch das Schiff. Leider musste er nach dem Manöver in Krems dringend wieder von Bord. Bis Wien lag die Führung der "Stadt Wien" wieder in den bewährten Händen des ehemaligen DDSG-Kapitän Franz. Wenn man ihn so auf der Brücke stehen sah, meinte man wirklich dem legendären Kapitän "Iglo" gegenüberzustehen. Ein legendärer Supertyp, eine Ikone der DDSG, die einstmals aus der beinharten betriebseigenen Ausbildung hervorgegangen war. Zusammen mit seinem Steuermann "Onkel Stauby" bildete er ein kongeniales Duo, das uns sicher nach Hause brachte. Klarerweise war der schwere Schiffskörper nicht leicht zu navigieren, was auch ein einmaliges heftiges Anschlagen mit der Bordwand in der Schleusenkammer erklärte.
Trotzdem war es eine schöne Reise, die schon dadurch aufgewertet wurde weil wir alte Freunde wiedergetroffen hatten. Die große Verspätung in Tulln, die die Dame der Reederei mit "dem starken Wind" zu erklären versuchte, machte uns nichts aus. Ganz im Gegenteil: Wir haben diese Fahrt trotzdem genossen und wenn man einige Sachen ändert, kommen wir gerne wieder.
Kümmerten sich rührend um die Fahrgäste: Kpt. Herwig und MBL Günther. Eine Pause tut in Dürnstein auch der Besatzung gut. Beliebtes Ausflugschiff in der Wachau- "Prinz Eugen". Der Kamin mit dem DDSG- Emblem fristet vor dem Schiff in Tulln als Blumenbeet sein Dasein.
Mit der "Stadt Wien" von Tulln nach Budapest
MS "Stadt Wien" an ihrem Liegeplatz an der Donaulände. Tullner Brunnen gibt es überall.
Am 03.Oktober 2011 führte der Schaufelraddampfer MS "Stadt Wien" eine Fahrt bis nach Belgrad durch. Der Abschnitt von Tulln bis Budapest konnte vom Reisebüro RUEFA- Reisen gebucht werden. Das günstige Angebot des Tullner Reiseanbieters lautete wie folgt: Nostalgie- Schiffsreise mit "Stadt Wien" nach Budapest, eine Übernachtung in einem Hotel in der ungarischen Hauptstadt, Bus - Rückreise nach Stadtrundfahrt nach Wien. Mit Zwischenstopps in Szentendre, Visegrad und Esztergom. Natürlich wurde diese Reise gebucht und dazu noch die Nächtigung in einer Schiffskabine. Nächtigungen am Schiff wurden erst seit Kurzem angeboten und wir wollten diesen neuen Service als eine der Ersten in Anspruch nehmen. So fuhren wir schon am Vortag nach Tulln um auf dem Schiff Mittag zu essen. Was sich gegenüber unserer letzten Reise (auch damals speisten wir an Bord), nicht geändert hatte. Das Essen war ausgezeichnet, die Portionen riesig, die Bedienungen äußerst zuvorkommend, einfach nett. Was sich aber sehr wohl geändert hatte, war der Zustand des Schiffes. Man hatte keine Kosten und Mühen gescheut, es wurde repariert, geschliffen, gestrichen, so dass sich die "Stadt Wien" im neuen Glanz präsentierte. Was im Auge des Beobachters sehr positiv auffiel, das Schiff machte wirklich einen guten Eindruck. Auch Kabine 17, die wir von der umtriebigen Frau Brigitte zugewiesen bekamen, erstrahlte im neuen Glanz. Die Kabine befand sich Steuerbord im Vorschiff, wobei die Ausstattung von Bad und WC sehr positiv überraschte. Sogar kuschelweiche Handtücher sowie flüssige Seife waren vorhanden.
Die neu adaptierte Kabine Nr. 17 auf der "Stadt Wien"
Ja, und schön langsam trudelten auch die weiteren Besatzungsmitglieder an Bord ein. Unter ihnen der liebenswerte langjährige Steuermann sowie ein zweiter Maschinist, den wir von der "Schönbrunn" her kannten. Sie wurden vom leitenden Maschinenbetriebsleiter Günther, alias "Watzlav" freundlich empfangen. Als uns Günther bemerkte, gesellte er sich zu uns um über alte Zeiten zu plaudern. Alle warteten nur mehr auf das Auftauchen des Reeders, der angesagt war. "Wenn er kommt, dann wird er mir wieder eine Aufgabe zuschanzen die ich immer wieder machen muss", warnte mich "Watzlav" vor. "Sein Lieblingskind ist ja die Zille, die neben dem Ponton im Wasser hängt. Die muss ich immer auspumpen". Diesmal würde die "Stadt Wien" gleich mit zwei Kapitänen besetzt sein. Da Herr Herwig nur bis Budapest mitfuhr hatte man in weiterer Folge einen ehemaligen DDSG- Kapitän mit der Führung des Schiffs betraut. Kapitän Thomas war von der Nachfolgefirma der DDSG für diese Reise freigestellt worden, da sich andere ehemalige DDSG- Kapitäne nicht für diese Reise erwärmen konnten. Wie das auch immer zu verstehen war. Dieser neue Schiffsführer hatte auf der "Stadt Wien" einst als Schiffsjunge begonnen um sie jetzt als Kapitän zu befehligen.
Als der ehemalige Tullner Bürgermeister, für sein Alter noch topfit aussehend auf dem Fahrrad auftauchte, kam alles in Bewegung. Gerade hatte mich Günther als ehemaligen Kollegen vorgestellt ging es auch schon los. "Weißt eh, dass wir noch eine wichtige Arbeit vor uns haben?", sah Herr S. den Maschinenchef prüfend an. "Wir müssen noch die Zille auspumpen!" Gesagt, getan. Als wir später von Bord gingen um uns Tulln anzusehen, werkelte die gesamte Mannschaft beim Beiboot herum. Nach dem Auspumpen wurde es mit vereinten Kräften an Land gezogen. Als wir nach dem Spaziergang wieder an Bord kamen, wieselte der Reeder noch immer dort herum, um alle auf Vordermann zu bringen. Erst ziemlich spät schwang er sich aufs Fahrrad um heimzuradeln.
Noch ein weiterer Kapitän kommt an Bord. Er kann der übrigen Mannschaft gleich bei der Zille helfen. Der Herr Steuermann muss bei leichtem Nebel die Augen offen halten, Schleuse Greifenstein kommt in Sicht.
Natürlich waren wir um 05.00 Uhr schon auf den Beinen um das Einsteigen der Passagiere zu verfolgen. Als wir die Frau Reiseleiterin aufsuchten um nach den Reiseunterlagen zu fragen meinte sie ziemlich überrascht: "Sie sind schon auf? Ich dachte, ich würde sie erst viel später zu Gesicht bekommen". Ha, das dachte auch nur sie. Obwohl es erst nach dem ausgegebenen Programm um 06.30 Uhr Frühstück geben sollte, bekam man jetzt bereits Kaffee. Um Punkt 06.30 Uhr wurde ein Frühstücksbuffet aufgebaut, das alle "Stückerln" spielte. Immer sofort wieder nachgefüllt von den überaus freundliche Mitarbeitern der Restauration. Wobei eines aber gleich unangenehm auffiel: Zum Frühstück standen Mineralwasserflaschen auf einem eigenen Tisch, aus denen man sich ein Glas einschenken konnte. Was viele der Passagiere wohl etwas falsch verstanden, denn sie nahmen statt einem Glas gleich die ganze Flasche. Auch zu dieser frühen Stunde ließ es sich der Herr Reeder nicht nehmen vorbeizuschauen. Als er endlich das Schiff verließ gab er der Mannschaft noch einen guten Rat mit auf den Weg. "Bei den Brücken den Kamin einziehen nicht vergessen!" Insider wussten genau was damit gemeint war. .. Mit Herrn Herwig als Kommandoführenden tauchten wir in einen vorerst noch etwas nebeligen Tag ein.
In Wien stiegen noch 12 weitere Passagiere ein, so dass sich die Gesamtzahl der Reisenden auf 92 erhöhte. Bei strahlendem Sonnenschein sowie rasch steigenden Temperaturen nahmen wir unter heiterem Himmel am Achterdeck Platz. Wo wir uns mit einem äußerst netten Tullner Ehepaar anfreundeten. Da Kapitän Herwig das Kommando führte, stand der zweite ernannte Kapitän für andere Aktionen zur Verfügung. Als der junge Chefreiseleiter um 10.30 Uhr zu einem Vortrag über die Donau im unteren, vorderen Speisesaal bat, ergriff dort Herr Thomas das Mikrofon um sich und das Schiff vorzustellen. Inzwischen führte noch immer Kapitän Herwig das Kommando, der mit vielen Durchsagen den Passagieren die Schönheiten auf und um den Strom näher zu bringen versuchte. Er hätte vielleicht auch noch einige Informationen zu den Schleusen bekannt geben können, aber so war es schon schwer in Ordnung.
Drei echte Seebären kurz vor der Ankunft bei der Wiener Reichsbrücke, wo das Schiff schon erwartet wurde. Einer von dem Trio hat sich als Passagier zwischen den beiden Schiffsführern aufs Bild geschmuggelt.
Das Mittagessen wurde an Bord in Bratislava eingenommen, wo das Schiff anlegte. Das Essen war, klarerweise im Preis nicht inbegriffen. Dass man es extra bezahlen musste, wollten doch tatsächlich einige der Passagiere nicht einsehen. Was uns nur ein Kopfschütteln kostete. In welcher Welt leben die eigentlich? Später bewahrten wir den jungen Matrosen vor einem argen Fauxpas. Er wollte doch wirklich am Heck die Tschechische Nationalflagge aufziehen. Was gerade noch verhindert werden konnte. Na, das wäre was gewesen.
Es grüßt die Bratislaver Burg, frisch gestrichen. Fast nicht mehr zu erkennen ist ein Zugschiff aus der damaligen CSSR- Frachtfschifflotte, das zum schwimmenden Restaurant umgebaut wurde. Am Hafen liegt das neueste Schiffshotel, das sogar einen eigenen Lift besitzt.
Um 14.00 Uhr gab es einen Vortrag über eine Reiseversicherung, der nur von wenigen Menschen besucht wurde. Wir nützten die Gelegenheit um lange Gespräche mit dem Steuermann zu führen. Onkel "Stauby" erzählte in seiner liebenswerten Art sehr viel von alten Zeiten. Genauso wie mein lieber Freund "Watzlav", der aber nicht viel Zeit hatte. Meistens saß er neben dem vorderen rechten Ausgang um leise. "Ich sehe schon, das wird eine fade Reise" zu murmeln. Die Witterung war so mild, dass man sich sogar auf dem Sonnendeck aufhalten konnte. Was auch der zweite Maschinist dafür nützte um dort zu fotografieren.
Der Herr Kapitän stellt sich den Passagieren vor. Hier zwei Gegensätze, während der zweite Maschinist lächelt, hat sein Chef einen etwas faden Gesichtsausruck. Der Schiffsverkehr ist sehr dürftig. Nur der "City- Liner" war mit einigen Fahrgästen unterwegs.
Kurz vor dem Abendbuffet spielte man zum Tanz auf, wobei sich der Alleinunterhalter als wahrer Meister seines Fachs entpuppte. Nicht nur, dass er eine angenehme Stimme hatte, gab er sich auch sonst als Stimmungskanone. Während man noch tanzte, wurde das Abendbuffet eröffnet. Wobei sich unter den Köstlichkeiten im wahrsten Sinne des Wortes die Teller bogen. Man konnte sogar unter warmen Delikatessen wie Schweinsbraten, Ripperln oder gebackenen Pilzen wählen. Alles hervorragend zubereitet vom tollen Küchenchef. Das köstliche Menü rundeten Kaiserschmarrn oder sonstige Mehlspeisen ab. Manchem Passagier schmeckte es so gut, dass er gleich fünf Mal das Buffet besuchte. Anerkennen muss man auch die Leistung des Restaurationsteams. Obwohl der Chef starke Schmerzen im Bein hatte und sich nur noch humpelnd fortbewegen konnte, hatte er weiterhin ein strahlendes Lächeln aufgesetzt. Genauso wie der junge Kellner, der niemals seine Geduld verlor. Wirklich ein tolles Team, das den Aufenthalt hier an Bord zu einem kulinarischen Leckerbissen machte. Aber auch der Herr Reiseleiter stellte sich in den Dienst der Sache und schaute darauf, dass alle Gäste zufrieden waren.
Kapitän Herwig war noch immer in Dienst und blieb es weit bis 21.00 Uhr. Da die Donau Niederwasser führte musste man sehr vorsichtig sein um ein Auffahren zu vermeiden. So konnte man nicht überall mit voller Kraft fahren. Was wiederum zur Folge hatte, dass man die bekannt gegebenen Zeiten bei Weitem nicht einhalten konnte. Statt der planmäßigen Ankunft um 23.00 Uhr befanden wir uns um diese Zeit noch weit vor unserem Bestimmungshafen. Was für die Passagiere auch nicht einfach war. Da sich die Fahrt weiter in die Länge zog versuchten sie es mit Schlafen. Schon bald waren die Speisesäle voll von schnarchenden Menschen. Oder man vertrieb sich die Zeit an der Bar um regelmäßig alkoholische Getränke einzunehmen.
Noch einen prüfenden Blick des Herrn Kapitäns auf den Fahrtgeber, ehe wir das Kraftwerk GABCIKOVO passieren..
Erst um 01.15 erreichten wir Budapest um anzulegen. Für die Verspätung konnte aber niemand, es war sozusagen höhere Gewalt. Nach der herzlichen Verabschiedung durch die Schiffsmannschaft gingen wir um 01.30 an Land. Während wir nun mit bereitgestellten Bussen in unser Hotel gebracht wurden, würde die "Stadt Wien" morgen nach Belgrad weiterfahren. Um in den Donaustaaten Jugoslawien, Kroatien, Ungarn usw. so genannte Leseveranstaltungen an Bord durchzuführen. Nach einer, etwa 10- minütigem Busfahrt wurden wir in einem modernen Hotel einquartiert, dessen Zimmer sogar Balkon hatten.
Vor dem Budapester Hotel verläuft eine sehr befahrene Straße, wo auch O- Buslinien in Betrieb sind. Zu dem großen Einkaufszentrum gibt es aber keine öffentliche Verkehrsverbindung.
Während am nächsten Tag die meisten der Reisenden die Stadtrundfahrt machten, erkundeten wir Budapest auf eigene Faust. Wobei es auch im Hotel ein riesiges Frühstücksbuffet gab. Um 11. 30 Uhr erfolgte die Heimreise, mit dem ersten kurzen Zwischenstopp in Szentendre. In Visegrad wurde in einem ausgezeichneten Lokal das vorzügliche Mittagessen eingenommen. Der nächste Aufenthalt erfolgte in Esztergom, wo der Dom besichtigt werden konnte. Den wunderschönen Ausblick von dort auf die Donau hinunter nahmen auf die Heimreise nach Wien mit, das wir mit einer Verspätung von mehr als drei Stunden erreichten.
In Szentendre lebt man vom Verkauf aller möglichen Sachen. Das Niederwasser zeigt sich auch bei der Rollfähre in Vishegrad, wo der Anlegeponton auf dem Trockenen sitzt. Majestätisch erhebt sich die Burg über die Stadt. Letzte Bilder beim Dom vom Esztergom.
Trotzdem, es war eine tolle Reise die wir erlebten. Das Reisebüro hat sich wirklich bemüht für wenig Geld sehr viel zu bieten. Dazu war der Schiffsausflug sowieso einsame Spitze. Nur so weiter RUEFA, vielleicht gibt es auch diese Reise im nächsten Jahr wieder?
Lt. Kollektivvertrag für die Dienstnehmer der Donauschifffahrt vom 31. März 1953
Ausmaßtabellen für die Berechnung der Fahrdienstzulagen in Hundertsteln von währungslosen Bezugseinheiten.
I. Im Zugdienst für je 1000 Anhangtonnenkilometer.
| Gruppe | Schiffe | Regensburg - Passau | Regensburg - Passau | Passau- Komarom | Passau- Komarom | Komarom - Moldova | Komarom- Moldova | Moldova - Turn Severin | Moldova - Turn Severin | Turn Severin - Sulina | Turn Severin - Sulina
|
| Berg | Tal | Berg | Tal | Berg | Tal | Berg | Tal | Berg | Tal | ||
| I | Cyklop, Goliath, Kammegg, Kolmegg, Korneuburg, Kranzegg, Langegg, Persenbeug, Samson, Schonka, Suppan, Vacz. |
9.39 |
3.63 |
11.85 |
4.14 |
4.84 |
2.20 |
11.00 |
2.20 |
3.96 |
1.76 |
| II. | Admiral Lacaze, Dr. Karl Renner, Freudenau, Isper, Ostarrichi, Puchenau, Ried, Schwechat, Strassbourg, Thaya, Traisen, Hirschenau, Hohenau, Salzburg, Graz, Bregenz. |
9.57 |
3.73 |
14.83 |
5.19 |
5.72 |
2.55 |
12.98 |
2.33 |
4.40 |
1.94 |
| III. | Döbling, Loisach, Pielach, Rax, Stubach, Währing, Innsbruck. |
10.21 |
3.83 |
20.93 |
7.36 |
5.85 |
2.64 |
16.28 |
2.95 |
4.71 |
2.07 |
| IV. | Inn, Isar | 10.72 | 4.07 | 22.55 | 7.97 | --- | --- | --- | --- | --- | --- |
| V. | Hainburg, Weichsel. | 11.96 |
4.45 |
26.14 |
10.28 |
7.22 |
3.26 |
32.69 |
5.90 |
6.42 |
2.86 |
| VI. | Kastor, Pollux | 15.84 | 5.94 | 39.60 | 15.84 | 8.10 | 3.65 | 40.39 | 7.35 | 7.70 | 3.43 |
Anmerkung I:
Bei Verwendung auf der Strecke Passau - Komarom werden für "Puchenau" die Ausmaße der Gruppe III, für DS "Samson" die Ausmaße der Gruppe II zur Verwendung gebracht.
Anmerkung II:
Für MSG "Hainburg" tritt im Güterdienst an Stelle des Ausmaßes V ein Tagespauschalsatz im Hundertsatz von S 24.20, wenn die Fahrleistungszulage zuzüglich allfälliger kollektiver Überstunden den Pauschalsatz nicht erreicht. Die Fahrleistungszulage wird in der Zeit zwischen 22 und 6. Uhr nicht verrechnet. Für diese Zeit werden im Rahmen des Abschnittes E, I, § 5b, kollektive Überstunden bezahlt. Vom mitgeführtem Anhang gelangen 50 Prozent der Atkm. zur Anrechnung.
Zuschläge:
| März bis September | 12 Prozent |
| Oktober bis Februar | 22 Prozent |
Für Stehzeiten auf der Strecke unterhalb Komarom wird als Ersatz für nicht ins Verdienen gebrachte Fahrleistungszulage in nachstehend genannten Fällen eine Zulage folgenden Ausmaßes gewährt:
a) Wenn das Fahrzeug länger als zwei volle, aufeinander folgende Kalendertage auf Anhang wartend ist, ab dem dritten Tag E 23.10 pro Tag.
b) Bei Aktionsunfähigkeit des Schiffes ( z. B. infolge Havarie) E 11.55 pro Tag.
II. Im Personenschiffsdienst für den zurückgelegten Schiffskilometer
| März bis September | E 0.1507 |
| Oktober bis Februar | E 0.1644 |
Die Fahrleistungszulage wird in der Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr nicht verrechnet. Für diese Zeit werden im Rahmen des Abschnittes E, I, § 5B, kollektive Überstunden bezahlt.
Als garantierter Mindestverdienst (Fahrleistungszulage zuzüglich allfälliger kollektiver Überstundenvergütung) werden E 24.20 im Hundertsatz je Einschiffungstag festgesetzt.
III. Ausmaß für die Fahrstunden im Bugserdienst und für sonstige Dienstarten.
a). Bugserdienst oder Lokaldienst in Linz und Wien, Hilfeleistungen, Vorspann, Eisbrechen, Fahrrinnenmarkierung:
| März bis September | E 1.98 |
| Oktober bis Februar | E 2.16 |
je Fahrstunde zwischen 6 - 22 Uhr.
Die Fahrdienstzulage wird in der Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr nicht verrechnet. Für diese Zeit werden kollektive Überstunden bezahlt. Der garantierte Mindestverdienst (Fahrleistungszulage zuzüglich allfälliger kollektiver Überstundenvergütung) beträgt E 24.20 im Hundertsatz je Tag.
Bei MB "Max" werden mit Rücksicht auf den Drei-Schichtenbetrieb keine Überstunden bezahlt. Der garantierte Fahrleistungsverdienst für MB "Max" beträgt in der Zeit von März bis September E 577.50 je Monat (19.25 je Tag), in der Zeit von Oktober bis Februar E 643.50 je Monat (21.45 je Tag) im Hundertsatz.
b). Leerfahrten (mit Ausschluss von Fahrten zwecks Intaunahme, Verstellung oder Abheftung des eigenen Anhanges, Werfteinlauf, Werftauslauf, Werftprobefahrten im Hafenbereich, sämtliche Versorgungsfahrten (Provianteinkauf, Brennstoff-, Material-, Inventar-, Wasserfassen usw.), Liegeplatzwechsel, Ausweichmanöver . dgl. ).
Lokaldienst, ausgenommen Linz und Wien:
| März bis September | E 1.73 |
| Oktober bis Februar | E 1.88 |
Die Fahrdienstzulage wird in der Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr nicht verrechnet. Für diese Zeit gibt es kollektive Überstunden.
c). Tankpendelverkehr Lobau - Korneuburg - Moosbierbaum:
| März bis September | E 2.22 |
| Oktober bis Februar | E 2.42 |
je Fahrstunde zwischen 6 - 22 Uhr.
Die Fahrleistungszulage wird in der Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr nicht verrechnet. Für diese Zeit kommen kollektive Überstunden zur Anwendung.
An der Fahrleistungszulage (Normalgebühr) sind die einzelnen Besatzungsmitglieder, auch bei Einteilung "über Stand", ihrer Tätigkeit an Bord entsprechend (also ohne Rücksicht auf ihren Dienstgrad), mit folgenden Hundertsätzen beteiligt:
| Kapitän | 110 % |
| Kapitän ohne Rechnungsleger, gegen entfall der Verteilergebühr | 130 % |
| II. Kapitän | 80 % |
| Rechnungsleger mit Patent | 65 % |
| Rechnungsleger ohne Patent | 50 % |
| Lotse | 80 % |
| I. Steuermann | 70 % |
| II. Steuermann | 60 % |
| Schlepplotse | 60 % |
| Bootsmann auf Personenschiffen | 60 % |
| Bootsmann auf Zugschiffen | 50 % |
| Matrose | 40 % |
| Koch oder Köchin | 40 % |
| MBL (leitender Maschinist) | 110 % |
| II MBL (Maschinist) | 70 % |
| Maschinen oder Motorenwärter | 60 % |
| Kesselwärter auf Dampfschiffen im Monat Juni, Juli und August | 60 % |
| Kesselwärter auf Dampfschiffen in den übrigen Monaten | 50 % |
| Heizer auf Dampfschiffen im Juni, Juli und August | 55 % |
| Heizer auf Dampfschiffen in den übrigen Monaten | 45 % |
Die auf Personenschiffen eingeteilten Rechnungsleger erhalten für die Kabinenmanipulation 30 % des Hundertsatzes der ihnen zustehenden Fahrleistungszulage.
